Serbien und der Balkan – bleibt die Westintegration alternativlos?


Termin Details


Goran Petronijevic, Rechtsanwalt einiger der vom Haager Tribunal angeklagten serbischen Politiker
Liljiana Bulatovic, Schriftstellerin, Belgrad
Lazar Bilanovic, langjähriger Vorsitzender des Dachverbandes jugoslawischer und serbischer Vereine in Wien
David Stockinger, Vorsitzender der SP Schwechat, Solidarwerkstatt und Beteiligter an der Kampagne gegen den Nato-Beitritt Montenegros

Moderation: Wilhelm Langthaler, Mitbegründer der Jugoslawisch-Österreichischen Solidaritätsbewegung

 

Nach dem Zerfall der UdSSR versprach die EU das Ende der Teilung des Kontinents: Die soziale Marktwirtschaft werde überall Wohlstand und Demokratie bringen, während die nationalen Grenzen ihre Bedeutung verlieren sollten. Gleichzeitig machte sich das wiedervereinigte Deutschland zum Vorreiter der Zerschlagung der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen regionalen antiimperialistischen Integration der Südslawen (Jugoslawien) – just unter Benutzung historisch verbündeter Nationalismen. Der serbische Widerstand dagegen konnte nur mit der erdrückenden Übermacht der US-Militärmaschine gebrochen werden. Nicht umsonst war der EU-Integration immer die Nato-Einbindung vorausgegangen.

Eine Generation danach macht sich Enttäuschung breit. Die Krise der Weltwirtschaft und die supranationale Forcierung des Euro-Regimes hat das ehemals europäistische Südeuropa in eine soziale Katastrophe gestoßen. Für die Unter- und Mittelschichten wird der Bruch zunehmend zur Perspektive. Doch die sozialen Eliten halten an der EU fest. Während es in Griechenland so erscheinen kann, dass die deutschen Banker das Werk der deutschen Panzer fortsetzen, fällt die Marginalisierung des Balkans unter die Wahrnehmungsschwelle – es sei denn über die eigene Migration legt sich die Fluchtroute noch mehr Verzweifelter aus der fernen Peripherie.

Währenddessen haben Nato/EU den Konflikt mit Russland wiederaufleben lassen. Der Widerstand eines Teils der russophonen Bevölkerung der Ukraine gegen ein rechtsnationalistisches und prowestliches Regime wird Moskau als Aggression ausgelegt – man fühlt sich an das Muster der antijugoslawischen und antiserbischen Kampagne erinnert. Wir befinden uns bereits in einem neuen Kalten Krieg.
Die globalistische und europäistische Erzählung verfängt immer weniger, nicht einmal in den Zentren der Macht – Brexit, Trump und der zunehmende Ruf nach Rückkehr zur nationalen Souveränität zeigen das an. Gibt das Anlass zur Sorge oder zur Hoffnung?

Veranstalter: Serbisch-Österreichische Solidaritätsbewegung, Personenkomitee Euroexit gegen Sozialabbau, Antiimperialistische Koordination, Solidarwerkstatt in Kooperation mit dem Österreichisch-Arabischen Kulturzentrum (OKAZ)