{"id":1124,"date":"2017-03-09T08:52:22","date_gmt":"2017-03-09T07:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=1124"},"modified":"2017-03-20T22:25:39","modified_gmt":"2017-03-20T21:25:39","slug":"was-bringt-die-globalisierung-fuer-oesterreich-die-beschaeftigungswirkung-von-kapitalstroemen-nach-oesterreich-und-aus-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2017\/03\/09\/was-bringt-die-globalisierung-fuer-oesterreich-die-beschaeftigungswirkung-von-kapitalstroemen-nach-oesterreich-und-aus-oesterreich\/","title":{"rendered":"WAS BRINGT DIE GLOBALISIERUNG F\u00dcR \u00d6STERREICH? Die Besch\u00e4ftigungswirkung von Kapitalstr\u00f6men nach \u00d6sterreich und aus \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung: Das Folgende ist ein Detail-Ergebnis aus einer umfangreicheren Arbeit \u00fcber Direkt-Investitionen aus und in \u00d6sterreich<\/em><\/p>\n<p>Anfang der 1970er schrieben zwei Referenten der Wiener Arbeiterkammer eine Studie \u00fcber \u201eAuslandskapital in \u00d6sterreich\u201c (<em>Gr\u00fcnwald \/ Lacina<\/em> 1970). Die Arbeit erregte ein gewisses Aufsehen und machte die beiden bekannt. F\u00fcr beide war sie der Beginn einer pers\u00f6nlich er\u00adfolgreichen Karriere. Gr\u00fcnwald wurde 1978 Vorstandsvorsitzender der \u00d6IAG, der Dachge\u00adsellschaft der verstaatlichten Industrie; sp\u00e4ter Aufsichtsratsvorsitzender der \u00d6MV. Lacina wurde erst Kabinetts-Chef bei Kreisky, 1982 dann Staatssekret\u00e4r, 1984 Verkehrsminister und schlie\u00dflich ab 1986 langj\u00e4hriger Finanzminister. \u00dcber ihn w\u00e4re noch Einiges zu sagen, was abeer nicht hierher geh\u00f6rt. Mit der Arbeit \u00fcber Auslandskapital hatte er sich einen \u201elinken\u201c Ruf erworben. Als Finanzminister f\u00fchrte er eine hart neokonservative Politik nach dem Muster eines seiner Vorg\u00e4nger, des Stefan Koren, oder dem des Wolfgang Sch\u00e4uble. Insbesondere schenkte er den Konzernen durch die K\u00f6rperschaftssteuer-Senkung viele, viele Milliarden.<\/p>\n<p>Auslands-Kapital, Direkt-Investitionen aus dem Ausland, hatte in \u00d6sterreich seit je einen zweifelhaften Ruf. Hatten doch die Nazis in der Zwischenkriegszeit starke deutsche Unter\u00adnehmungen in \u00d6sterreich als F\u00fcnfte Kolonne eingesetzt. Die Austrofaschisten setzten 1934 sogar einen \u201eRegierungskommissar zur Bek\u00e4mpfung staatsfeindlicher Umtriebe in der Pri\u00advatwirtschaft\u201c ein, der ausnahmsweise nicht gegen Arbeiter gerichtet war. \u201eDie Industriere\u00adgion Leoben-Donawitz sowie Eisenerz z\u00e4hlten am 25. und 26. Juli 1934 .. zu den Haupt\u00adgebieten der nationalsozialistischen Putschaktion. \u2026 Leitende Angestellte des gr\u00f6\u00dften Industriekonzerns \u00d6sterreichs, der \u00d6sterreichischen Alpine Montangesellschaft (\u00d6AMG), [spielten] eine f\u00fchrende Rolle. Die Ursachen daf\u00fcr lagen vor allem in jenen Entwicklungen innerhalb der \u00d6MAG, die eng mit der \u00dcbernahme von 56 % ihrer Aktien durch die D\u00fcsseldorfer Vereinigten Stahlwerke im Jahr 1926 zusammenhingen\u201c (<em>Staudinger<\/em> 1984, 15; weiters <em>Fischer <\/em>1983).<\/p>\n<p>In den 1950ern kontrollierte die \u00f6sterreichische Regierung die Investitionen sehr strikt. \u201eBis Anfang 1959 waren ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen bewilligungspflichtig. Die Nationalbank achtete darauf, da\u00df die Beteiligungen nach M\u00f6glichkeit unter 50% lagen Sie wurden bewil\u00adligt, wenn sie zur Ausweitung der Produktion oder zur Schaffung neuer Produktionszweige beitrugen\u201c (<em>WIFO<\/em> 1960).<\/p>\n<p>Es ist also von politischer Bedeutung, dass Lacina am Beginn seiner Karriere kritisch zum Auslandskapital stand, dann aber, nach der Vranitzky\u2019schen Wende der Sozialdemokratie zum Neoliberalismus offenbar voll und ganz auf eine kritiklos-positive Betrachtung umge\u00adschwenkt ist. Es hat Sinn, dies hier zu erw\u00e4hnen. Das Problem besteht darin, dass auch manche Linke heute den Globalismus noch immer als Internationalismus sehen.<\/p>\n<p>Und es war in der Vergangenheit immer von Auslandskapital in \u00d6sterreich die Rede. Die ausgehenden Str\u00f6me bzw. die Best\u00e4nde von Kapital \u00f6sterreichischer Eigner im Ausland waren unbedeutend. Die \u00f6sterreichische Wirtschaft und Gesellschaft damals hinkte der westeurop\u00e4ischen Entwicklung so sehr nach, dass dies fast nat\u00fcrlich schien.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die heutige Situation ist h\u00f6chst aufschlussreich.<\/p>\n<p>Nicht erst die Propagandisten der EU, alle, welche sich stets um eine Rechtfertigung f\u00fcr Steu\u00ader-Geschenke an Unternehmungen bem\u00fchten, haben stets auf die Besch\u00e4ftigungswirkungen des Auslandskapital in \u00d6sterreich hingewiesen. Man m\u00fcsse die K\u00f6rperschaftssteuer senken, so der Exminister Lacina immer wieder, die Einkommenssteuer der Unternehmen somit. Denn sonst w\u00fcrden die nach Bratislava abwandern.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigung durch Kapital aus dem Ausland in \u00d6sterreich und umgekehrt wird von der \u00d6NB so <em>errechnet,<\/em> dass die Besch\u00e4ftigung der Unternehmen mit ausl\u00e4ndischer Beteiligung mit dem Anteil der Beteiligung gewichtet wird. Die Zahl, sowohl beim einkommenden wie auch beim ausgehenden Kapital ist somit ein synthetischer Wert. Aber er ist von hohem Interesse.<\/p>\n<p>1990 ergab diese Methode eine Besch\u00e4ftigungswirkung von 226.100 Arbeitspl\u00e4tzen vonseiten des einkommenden Kapitals. Nicht wenig, k\u00f6nnte man meinen. Doch die Verflechtung hat sich intensiviert: Seit 1990 haben die Best\u00e4nde des Auslandskapitals sich <strong>ver-18facht<\/strong> auf der einkommenden Seite; auf der ausgehenden Seite <strong>ver-51facht<\/strong>. Dem 18fachen Kapital steht eine Steigerung der Besch\u00e4ftigtenzahl auf 251.082, also um <strong>11 %<\/strong> gegen\u00fcber. (folgenden <em>link<\/em> bitte anklicken!)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Auslandsivestitionen_Graphik3.pdf\"><em>Auslandsivestitionen_Graphik3<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die \u201eAktiv\u201c-Seite, die ausgehenden Kapitalien?<\/p>\n<p>Nach derselben Methode gerechnet, waren 1989 29.500 Arbeitspl\u00e4tze von \u00f6sterreichischem Kapital im Ausland geschaffen. 2015 waren es 801.200. Das ist eine Steigerung von 2.617 %. Das also ist der Gewinn der Kapitalfreiheit f\u00fcr \u00f6sterreichische Besch\u00e4ftigte. Anders ausge\u00addr\u00fcckt: Im Jahr 1989 schuf die Differenz von einkommenden Kapital zu ausgehenden 196.600 Arbeitspl\u00e4tze in \u00d6sterreich. Im Jahr 2014 lie\u00df dieselbe Differenz, die sich im Vorzeichen des Saldo mittlerweile ja umgedreht hatte, 550.100 Arbeitspl\u00e4tze in \u00d6sterreich <strong>verloren gehen<\/strong>. Sie h\u00e4tten mit Kapital aus \u00d6sterreich hier geschaffen werden k\u00f6nnen. Dass dies unter bestehenden Verh\u00e4ltnissen nicht mechanisch geschehen w\u00e4re, ist schon klar. Doch w\u00e4re das nicht einer der Gr\u00fcnde, die bestehenden Verh\u00e4ltnisse zu \u00e4ndern?<\/p>\n<p>Gehen wir in einzelne Branchen. Der Anteil der \u201eheadquarters\u201c macht die H\u00e4lfte des Aus\u00adlandskapitals in \u00d6sterreich aus. Doch davon werden nicht einmal 3000 Arbeitspl\u00e4tze geschaffen! Eine wirklich nennenswerte Besch\u00e4ftigungswirkung ergibt sich nur im Handel. Dort lautet die Angabe 73.58 Besch\u00e4ftigte. Die aber w\u00e4ren so oder so vorhanden. Hier hat das ausl\u00e4ndische Kapital nur die \u00f6sterreichischen Unternehmungen und ihre Profite \u00fcbernommen. Billa war vor und nach dem Verkauf des Jahres 1996 an den deutschen Rewe-Konzern vorhanden. 1998 hatte Billa rund 25.000 Besch\u00e4ftigte, im Jahre 2016 dagegen 18.400. In diesem Fall von einer Besch\u00e4ftigungswirkung durch Auslands-Investitionen zu sprechen, w\u00e4re regelrecht verblendet. Selbst im Finanz- und Versicherungswesen, welches den zweitgr\u00f6\u00dften Anteil (s.o.) am Auslandskapital ausweist, zeigt die Besch\u00e4ftigungstendenz seit fast drei Jahrzehnten eher nach unten (1989: 16.035; 2014: 15.725 Besch\u00e4ftigte).<\/p>\n<p>Die angeblich so wichtigen Direkt-Investitionen in und aus \u00d6sterreich zeigen also f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten eine eindeutige, und enorme, negative Bilanz. Doch der Kapitalexport, vor allem in die Ostl\u00e4nder, findet nicht zuf\u00e4llig satt. Gewinnen schon die Arbeiter und Angestellten nichts, verlieren vielmehr, so gewinnen die Exporteure umso mehr an Profiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Albert F. Reiterer, M\u00e4rz 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Das Folgende ist ein Detail-Ergebnis aus einer umfangreicheren Arbeit \u00fcber Direkt-Investitionen aus und in \u00d6sterreich Anfang der 1970er schrieben &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2017\/03\/09\/was-bringt-die-globalisierung-fuer-oesterreich-die-beschaeftigungswirkung-von-kapitalstroemen-nach-oesterreich-und-aus-oesterreich\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWAS BRINGT DIE GLOBALISIERUNG F\u00dcR \u00d6STERREICH? 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