{"id":1202,"date":"2017-05-08T17:43:49","date_gmt":"2017-05-08T15:43:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=1202"},"modified":"2017-05-08T21:28:17","modified_gmt":"2017-05-08T19:28:17","slug":"gut-gegangen-macron-praesident-und-was-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2017\/05\/08\/gut-gegangen-macron-praesident-und-was-weiter\/","title":{"rendered":"\u201eGUT GEGANGEN\u201c. Macron Pr\u00e4sident \u2013 und was weiter?"},"content":{"rendered":"<p>Die Eliten und ihre Intellektuellen haben einen gro\u00dfen Erfolg eingefahren. Daran ist nicht zu r\u00fctteln. Die Wahlbeteiligung war zwar etwas niedriger, 74,7 % gegen 77,7 % im ersten Wahlgang. Sie liegt somit aber nur wenige Punkte unter jener vom letzten Mal. Die ung\u00fcltigen und wei\u00dfen Stimmen allerdings erreichen 4,1 Mill. und damit 11,5 % der abgegebenen Stimmen. Das ist tats\u00e4chlich eine relevante Gr\u00f6\u00dfenordnung. Eine Delegitimierung des Macron aus diesen Daten zu konstruieren, bleibt bei seiner Mehrheit trotzdem schwierig. Noch immer sind es 66 % der Wahlberechtigten, aber immerhin hat es diese massive Willens\u00e4u\u00dferung noch bei keiner Pr\u00e4sidentenwahl gegeben. Laut Innenministerium macht also der Stimmanteil Macrons 44 % der Wahlberechtigten aus. Unsere hiesigen Medien verschweigen die doch massive Protestgeste.<\/p>\n<p>Der \u201erepublikanische\u201c Schulterschluss hinter dem extremistischen neoliberalen Kandidaten hat somit funktioniert. Damit stellt sich die Frage nach einer linken Strategie, welche klar gescheitert ist.<\/p>\n<p>Warum hat M\u00e9lenchon nicht eindeutig gesagt: Keine Stimme f\u00fcr Macron! Wir gehen nicht hin!?<\/p>\n<p>Er h\u00e4tte damit einen guten Teil seiner W\u00e4hler und Anh\u00e4nger verprellt, so sagt man uns. Die halten immer noch Macron f\u00fcr das kleinere \u00dcbel. Aber das ist ja kein Argument, <em>das ist doch das Problem<\/em>! Denn diese versimpelte Sicht baut auf einer von Grund auf verfehlten politischen Analyse. Und die hat die Linke in v\u00f6lliger geistiger Tr\u00e4gheit seit Jahrzehnten mitgeschleppt. Sie macht sich nicht die M\u00fche, die Verh\u00e4ltnisse neu anzusehen. Le Pen = \u201eFaschismus\u201c. Selbst auf einer Wahlversammlung ist dieser Slogan gar zu einf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>Dabei ist diese Sorte von Antifaschismus die einzige Basis, auf Grund welcher die Eliten ihre Welt noch zusammen halten. Dass sie damit erfolgreich sind, ist fast schon grotesk. Ihre sozialen und politischen Vorfahren waren es schlie\u00dflich, welche zum Faschismus als ihrer Rettung gegen die Arbeiter-Bewegung griffen.<\/p>\n<p>Aber anstelle einer Dekonstruktion f\u00e4llt die Linke auf ihren eigenen abgegriffenen Mythos aus einer Tradition hinein, welche schon seit Jahrzehnten nicht mehr greift. Und ist dabei noch bereit, die Tr\u00fcmmer der Sozialdemokratie zu retten. Die schaffen sich mit (z. B.) <em>En Marche<\/em> eine neue Organisation oder versuchen es wenigstens, um weiterhin ihre Politik f\u00fcr die Eliten und Obere Mittelschichten weiterf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber, so sagt man uns, passt blo\u00df auf: Ihr findet Euch im selben Eck wieder wie Horst Mahler oder in \u00d6sterreich jener G\u00fcnter Rehak, der in den 1960er als Linker im VSSt\u00d6 begann und mittlerweile bei der deutschnationalen Rechten landete und dabei Otto Bauer zitiert \u2013 letzteres \u00fcbrigens mit einigem Recht!<\/p>\n<p>Die Warnung mag zu Recht kommen oder aber ein schmutziges politisches Man\u00f6ver sein. Worum es geht, ist in historisch-theoretischer Sicht das alte Problem des Verh\u00e4ltnisses von Unterschichten und Intellektuellen, von Massen und aktiven Militanten. Dieses Problem haben wir nicht in Ans\u00e4tzen bew\u00e4ltigt. Wenn wir nicht eine Karikatur des Leninismus, wenn wir nicht in der guten Gesellschaft der Neuen Rechten von Glucksmann und L\u00e9vy enden wollen, geht es um diese Frage, die in aller Offenheit endlich diskutiert werden muss. Ich gebe zu, es ist ein schwieriges Problem, es ist Dialektik pur, welche da auf uns wartet.<\/p>\n<p>Aber einfach so weiter zu tun wie bisher, das f\u00fchrt zu M\u00e9lenchon \u2013 und damit auch zu Macron.<\/p>\n<p>Albert F. Reiterer, 8. Mai 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eliten und ihre Intellektuellen haben einen gro\u00dfen Erfolg eingefahren. Daran ist nicht zu r\u00fctteln. Die Wahlbeteiligung war zwar etwas &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2017\/05\/08\/gut-gegangen-macron-praesident-und-was-weiter\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201eGUT GEGANGEN\u201c. 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