{"id":1216,"date":"2017-06-03T08:23:43","date_gmt":"2017-06-03T06:23:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=1216"},"modified":"2017-06-03T08:23:43","modified_gmt":"2017-06-03T06:23:43","slug":"die-sieger-der-geschichte-auch-ein-nachruf-auf-einen-helden-bruessels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2017\/06\/03\/die-sieger-der-geschichte-auch-ein-nachruf-auf-einen-helden-bruessels\/","title":{"rendered":"DIE SIEGER DER GESCHICHTE. Auch ein Nachruf auf einen Helden Br\u00fcssels"},"content":{"rendered":"<p>Im Wahlkampf f\u00fcr den Nationalrat 1970 spielte ein Plakat mit dem Bild des Bundeskanzlers Klaus eine Rolle. Darauf stand: \u201eEin echter \u00d6sterreicher!\u201c Und alle wusste, was gemeint war. Der Klaus ist kein polnischer Jude, wie der andere da, dieser Kreisky. Der Erfinder dieses Plakats war Alois Mock. Es hei\u00dft, Kreisky sei zeit seines Lebens diesem Herrn Mock doch etwas reserviert begegnet.<\/p>\n<p>Die Medien, die sonst \u00fcberall Antisemitismus wittern wie die Tr\u00fcffelschweine ihre Schwammerl, erw\u00e4hnen in ihren Nachrufen diese so kennzeichnende Aktion ihres Helden nicht.<\/p>\n<p>Mock war nicht aufzuhalten. Als Kurzzeit-Unterrichtsminister war er eher peinlich und unbedarft. Er musste danach jahrelang warten. Schlie\u00dflich wurde er langj\u00e4hriger \u00d6VP-Partei-Obmann. Nach den Wahlen von 1986 jedoch wurde er Vizekanzler und, vor allem, Au\u00dfen\u00administer. Als solcher zog er den EG-Anschluss mit aller Z\u00e4higkeit und allem Fanatismus durch. Bei den Verhandlungen war er wegen Parkinson ernsthaft gehandicapt. Die \u00f6sterrei\u00adchische Bundesregierung lie\u00df ihn gew\u00e4hren. Leute aus der technischen Ebene haben sp\u00e4ter kopfsch\u00fcttelnd erz\u00e4hlt, wie er eine Position nach der anderen, die ihnen wichtig waren, preisgab. Dabei sa\u00df die Vertrauensfrau des SP-Kanzlers Vranitzky \u2013 jene Brigitte Ederer, die durch den \u201eEderer-Tausender\u201c unsterblich wurde. Sie nickte dies Alles ab. Sp\u00e4ter schrieben sogar konservative Zeitungen, etwa die NZZ: \u00d6sterreich hat sich in den Verhandlungen reich gerechnet, weil die Verhandler nicht in der Lage waren, zwischen Kursen und KKP (Kauf\u00adkraftparit\u00e4ten: die \u00f6sterreichische W\u00e4hrung, der Schilling, stand au\u00dfen im Vergleich zum inneren Wert viel h\u00f6her) zu unterscheiden. Und jetzt zahlt es daf\u00fcr die \u00fcberh\u00f6hten Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Das war die Hauptleistung des A. Mock. Es <em>war<\/em> eine Leistung, ganz objektiv beurteilt. Das hat \u00d6sterreich wesentlich st\u00e4rker umgemodelt als die ganze \u00c4ra Kreisky.<\/p>\n<p>Man muss auf diese Zeit zur\u00fcck schauen und vielleicht auch noch das eine oder andere Dokument dazu lesen. Man kommt tats\u00e4chlich aus dem Kopfsch\u00fctteln nicht heraus. Nach der Wahl 1986 wollte Mock, trotz Niederlage, unbedingt Kanzler werden. Zuerst versuchte er, mit der nunmehrigen Haider-FP\u00d6 ins Gesch\u00e4ft zu kommen. Aber seine Partei ging nicht mit. Die hatten l\u00e4ngst begriffen: Mit Vranitzky als Bundeskanzler war dies politisch ein viel besseres Gesch\u00e4ft. Aus ihm war viel mehr heraus zu holen. So lie\u00dfen sie den sch\u00f6nen Franz Bundeskanzler sein. Er machte ja doch ihre Politik, und zudem hielt er die SP ruhig; vielmehr: er drehte sie um, vor allem bez\u00fcglich EG.<\/p>\n<p>Nochmals die Dokumente. Im <em>Arbeits\u00fcbereinkommen<\/em> zum Abschluss der Koalitions-Verhandlungen (16. J\u00e4nner 1987) gibt es <em>keinen<\/em> Abschnitt \u201eAu\u00dfenpolitik\u201c. Daf\u00fcr hei\u00dft das zentrale und bei weitem umfangreichste Kapitel \u201eBudget\u201c. Die \u201eSanierung\u201c muss \u00fcber Leistungsk\u00fcrzungen, \u201eausgabenseitig\u201c erfolgen. Gleichzeitig, trotz Defizit, wird aber eine \u201emerkbare Absenkung des [ESt-] Tarifs\u201c vereinbart. Um die K\u00f6St eiert man herum: Man wird sie einige Zeit sp\u00e4ter um die H\u00e4lfte senken, die Konzerne also gro\u00dfz\u00fcgig beschenken.<\/p>\n<p>Erst in der <em>Regierungs-Erkl\u00e4rung<\/em> (28. J\u00e4nner 1987) taucht die Au\u00dfenpolitik auch auf. Bez\u00fcglich der EG h\u00e4lt man fest, dass man die \u201eTeilnahme an der Weiterentwicklung des europ\u00e4ischen Integrations-Prozesses\u201c anstrebe. Von einem Anschluss ist noch nicht offen die Rede. Noch bestand die Sowjetunion, und noch glaubte man, zur Zur\u00fcckhaltung verpflichtet zu sein. Man hat bisweilen auch den Eindruck, mit der Fixierung auf das Budget und den Leistungsabbau w\u00e4re das eigentliche Hauptziel schon festgeschrieben.<\/p>\n<ol>\n<li>Mock aber bohrte weiter und hatte Erfolg. Ziemlich kurze Zeit sp\u00e4ter schickte die Bundesregierung den \u201eBrief nach Br\u00fcssel\u201c ab: das Anschluss-Gesuch.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Als Partei-Obmann war Mock der \u00d6VP nicht erfolgreich genug. Sie ersetzte ihn durch einen Clone, diesen bald auch wieder, usf.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Guido Schmidt, Au\u00dfenminister in der Anschlussregierung von 1938, wegen Hochverrates vor Gericht gestellt. Seyss-Inquart, der Anschluss-Kanzler, wurde in N\u00fcrnberg geh\u00e4ngt. Ist der Hinweis auf das Verhalte der beiden wirklich so weit hergeholt?<\/p>\n<p>Alois Mock wird ein Staatsbegr\u00e4bnis bekommen. Franz Vranitzky lebt noch bequem, und wie man vernimmt in guter Gesundheit und ruht sich auf seinen Lorbeeren aus.<\/p>\n<p>Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Noch sind die Gefolgsleute und Marionetten des Finanzkapitals und der EU ganz klar die Sieger.<\/p>\n<p>Wie lange noch?<\/p>\n<p>Albert F. Reiterer, 1. Juni 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wahlkampf f\u00fcr den Nationalrat 1970 spielte ein Plakat mit dem Bild des Bundeskanzlers Klaus eine Rolle. Darauf stand: \u201eEin &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2017\/06\/03\/die-sieger-der-geschichte-auch-ein-nachruf-auf-einen-helden-bruessels\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDIE SIEGER DER GESCHICHTE. 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