{"id":1612,"date":"2018-02-02T18:28:56","date_gmt":"2018-02-02T17:28:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=1612"},"modified":"2018-02-02T18:28:56","modified_gmt":"2018-02-02T17:28:56","slug":"buchbesprechung-von-empire-zum-brexit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2018\/02\/02\/buchbesprechung-von-empire-zum-brexit\/","title":{"rendered":"Buchbesprechung: von Empire zum Brexit"},"content":{"rendered":"<p><em>von Elisabeth Lindner-Riegler, pensionierte AHS-Lehrerin und jahrzehntelange Aktivistin f\u00fcr die Befreiung des s\u00fcdlichen Afrika von den Folgen des britischen Kolonialismus<\/em><\/p>\n<h6>England im Wandel<\/h6>\n<p>Rainer F. Brunath: VOM EMPIRE ZUM BREXIT<br \/>\nOkt.\/Nov. 2017, Region Verlag, 216 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978 3981 874907<\/p>\n<p>Nach der stetigen Erweiterung der Europ\u00e4ischen Union will nun zum ersten Mal ein Land, das Vereinigte K\u00f6nigreich, aus dieser Union austreten. Nach dem Referendum im Juni 2016 startete eine beispiellose Kampagne gegen die austrittswilligen Briten in den europ\u00e4ischen Medien und Eliten. Pauschal wurde das Volk als dumme, kurzsichtige Rassisten beschimpft, dem Land wurde und wird der Ruin vorhergesagt. Die Forderung nach einem neuerlichen Referendum steht im Raum.<\/p>\n<p>Das Buch VOM EMPIRE ZUM BREXIT ist eine wichtige Stimme gegen die vereinfachte, einseitige Hetzkampagne und richtet sich an alle, die das britische Votum differenzierter sehen und besser verstehen wollen, die die Verachtung, mit der die britischen W\u00e4hler und W\u00e4hlerinnen abgekanzelt werden, zum Nachdenken bringt.<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich und detailreich werden die Geschichte Englands auf dem Weg zum Empire und der damit verbundenen L\u00e4nder sowie die Kontinuit\u00e4ten und Wandlungen im 20. Jahrhundert bis zum Brexit beschrieben. In der geschichtlichen Abhandlung wird den einzelnen L\u00e4ndern, ihren jeweiligen Eigenheiten und den Grausamkeiten des Kolonialismus Raum gegeben und gleichzeitig versucht, durch diese Geschichte die Herausbildung einer nationalen Identit\u00e4t der Engl\u00e4nder nachzuzeichnen und zu erkl\u00e4ren. \u201eRund dreihundert Jahre kolonialer Erfahrung und Verbindungen besa\u00df Britannien nach dem 2. Weltkrieg, als 1973 das Vereinigte K\u00f6nigreich in den europ\u00e4ischen gemeinsamen Markt (EWG) eintrat. Es waren Erfahrungen und Verbindungen aus der Zeit der Expansion, die zu Machtzuwachs und Gr\u00f6\u00dfe f\u00fchrten, aus den Jahrhunderten der Angliederung von Kolonien an das wachsende Empire, dessen Menschen eine besondere nationale Identit\u00e4t entwickelt hatten und die auch nach der Zeit der Entkolonisierung nicht verloren gegangen war.\u201c (S.20)<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Empire spielte der Freihandel die wesentliche Rolle, Privatinitiativen, die durch die Vergabe von Konzessionen durch die Krone pl\u00fcndernd in L\u00e4nder rund um den Globus einfallen konnten.  (vgl. S. 21) Die wirtschaftlichen Interessen sind bis heute das Bindeglied zwischen dem Vereinigten K\u00f6nigreich und dem aus dem Kolonialreich hervorgegangenen Commonwealth of Nations geblieben.<\/p>\n<p>Was Gro\u00dfbritanniens Rolle in Europa und Europa selbst betrifft, hat Winston Churchill in seinen Visionen so argumentiert, dass Vereinigte Staaten von Europa eine Voraussetzung f\u00fcr zuk\u00fcnftigen Frieden und Sicherheit w\u00e4ren, dass jedoch sein Land einen Sonderstatus h\u00e4tte. \u201eSie (GB) sollte nicht in die europ\u00e4ischen Strukturen eingebunden sein: \u201aWir haben unsere eigenen Tr\u00e4ume.\u2018 Im Klartext: Wir sind bei Europa, aber nicht von ihm. Wir sind verbunden, aber nicht eingeschlossen.\u201c (S. 97)<\/p>\n<p>Diese Haltung setzte sich fort, insbesondere mit Magret Thatcher, als sie Sonderkonditionen f\u00fcr ihr Land aushandelte, den gemeinsamen europ\u00e4ischen Binnenmarkt nutzte, jedoch \u00dcbereinkommen in Richtung politischer Union ablehnte. (vgl. S. 208,209)<\/p>\n<p>Laut Brunath hat die Leave-Kampagne an den historisch herausgebildeten nationalen Identit\u00e4tsgef\u00fchlen der Massen angesetzt und klassen\u00fcbergreifend bei vielen Menschen Erfolg gehabt. (vgl. S. 208) Er zeichnet ein differenziertes Bild des Brexit und sieht im Votum gegen die EU den Protest derjenigen, die die Verschlechterung der Lebensqualit\u00e4t zu sp\u00fcren bekommen, die unter Wohnungsnot und Lohndumping leiden. \u201eDiese Benachteiligten in England haben sich offensichtlich entschieden, jetzt, als sie endlich eine M\u00f6glichkeit hatten, ihren Zorn, ihren Frust, ihre Angst deutlich h\u00f6rbar und messbar zu artikulieren. Sie wollten jetzt Bedingungen ablehnen, die sie zwangen, sich mit Minijobs abzufinden, in Trostlosigkeit und in grauen St\u00e4dten zu leben,\u2026Sie haben die Mitgliedschaft Britanniens in der EU daf\u00fcr verantwortlich gemacht.\u201c (S. 160)<\/p>\n<p>Sie haben die Zwangsjacke der EU gesp\u00fcrt, sie haben sich aus Entt\u00e4uschung \u00fcber ihre eigene Elite und deren etablierte Parteien auch Rechtspopulisten zugewandt, einige haben in den Arbeitsmigranten Konkurrenten gesehen \u2013 auch das wird im Buch thematisiert. Aber sie haben einen emanzipatorischen Schritt gemacht, sie haben Risse im EU-Gef\u00fcge vergr\u00f6\u00dfert, dieser EU eine Abfuhr erteilt.<\/p>\n<p>Dieser Stimme in einem Meer von Verunglimpfung und Verachtung f\u00fcr die Verlierer im EU-Netzwerk Geh\u00f6r zu verschaffen, macht neben der detailreichen Aufarbeitung der Geschichte und Gegenwart in Gro\u00dfbritannien VOM EMPIRE ZUM BREXIT zu einem lesenswerten und wichtigen Buch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Elisabeth Lindner-Riegler, pensionierte AHS-Lehrerin und jahrzehntelange Aktivistin f\u00fcr die Befreiung des s\u00fcdlichen Afrika von den Folgen des britischen Kolonialismus &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2018\/02\/02\/buchbesprechung-von-empire-zum-brexit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBuchbesprechung: von Empire zum Brexit\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1613,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":""},"categories":[1],"tags":[],"author_meta":{"display_name":"Wilhelm Langthaler","author_link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/author\/wilhelm\/"},"featured_img":"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/left-leave-campaign-brexit.jpg","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/category\/home\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 8 Jahren ago","modified":"Updated 8 Jahren ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on 2. 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