{"id":1699,"date":"2018-07-18T09:56:58","date_gmt":"2018-07-18T07:56:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=1699"},"modified":"2018-07-18T09:56:58","modified_gmt":"2018-07-18T07:56:58","slug":"das-neue-weltsystem-des-21-jahrhunderts-nochmals-freihandel-vom-imperialismus-der-nationen-zum-imperialismus-der-imperien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2018\/07\/18\/das-neue-weltsystem-des-21-jahrhunderts-nochmals-freihandel-vom-imperialismus-der-nationen-zum-imperialismus-der-imperien\/","title":{"rendered":"DAS NEUE WELTSYSTEM DES 21. JAHRHUNDERTS: Nochmals Freihandel: Vom Imperialismus der Nationen zum Imperialismus der Imperien"},"content":{"rendered":"<h2><em>\u201eGlobale Wertsch\u00f6pfungsketten\u201c<\/em><\/h2>\n<figure id=\"attachment_1696\" aria-describedby=\"caption-attachment-1696\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/GegenUS-Aggression.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1696 size-large\" src=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/GegenUS-Aggression-1024x762.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"625\" srcset=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/GegenUS-Aggression.jpg 1024w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/GegenUS-Aggression-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/GegenUS-Aggression-768x572.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1696\" class=\"wp-caption-text\">Vertreter aus unterschiedlichen politischen Lagern protestieren gegen das amerikanische Engagement im Vietnam-Krieg.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Internationalisierung der Produktion \u2013 oder vielmehr eines wesentlichen Teils davon, \u00fcber diesen Unterschied sp\u00e4ter \u2013 l\u00e4uft \u00fcber die <em>globalen Wertsch\u00f6pfungsketten<\/em> (GVC \u2013 <em>global value chains<\/em>), und zwar h\u00e4ufig innerhalb transnationaler Konzerne \/ \u201eMonopole\u201c. Das ist eines der Kennzeichen des sozio-\u00f6konomischen Systems der Gegenwart bzw. der heutigen Produktionsverh\u00e4ltnisse. Dem entspricht eine neue Sorte von <em>Freihandels-System<\/em>. Der klassische Freihandel war gepr\u00e4gt von der Situation: Produziere hier, verkaufe anderswo. Das neue Freihandelssystem hat seine Produktionsst\u00e4tten \u00fcber die ganze Welt verstreut. Es h\u00e4ngt vom reibungslosen Funktionieren von Gewinnung, Zulieferung und Verf\u00fcgbarkeit von Roh\u00adstoffen und Zwischenprodukten ab, aber auch der M\u00f6glichkeit, das Kapital als Produktions\u00admittel \u00fcberall ungehindert einzusetzen.<\/p>\n<p>Das erzeugt eine ganze Reihe von Widerspr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Materielle Produktion von Waren ist zwar eine absolut fundamentale und unerl\u00e4ssliche Kom\u00adponente des Produktions- und Reproduktions-Systems. Aber es ist nur ein Teil davon. Insbe\u00adsondere in den hoch entwickelten Gesellschaften wird Arbeit f\u00fcr die Reproduktion (der Men\u00adschen, der Arbeitskraft) sowie die Organisation des Systems selbst immer wichtiger. Die Interessen der <em>lokalen<\/em> Produkteure solcher \u201eDienste\u201c sind aber keineswegs gleich zu setzen mit jenen der stark internationalisierten materiellen Produktion.<\/p>\n<p>Die lokalen, regionalen, nationalen und imperialen Sitze auch der internationalisierten \/ trans\u00adnationalisierten Unternehmen f\u00fchren weiters zu unterschiedlichen Bedingungen f\u00fcr die ans\u00e4s\u00adsigen Konzerne und zu Interessen-Differenzen mit anderswo ans\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Man hat die globale Organisation des Kapitals, die Organisation der Welt<em>wirtschaft<\/em>, bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts \u00fcber die Organisation des Welt<em>handels<\/em> versucht. Das funktionierte recht und schlecht, solange die dominanten Beziehungen tats\u00e4chlich Handelsbeziehungen wa\u00adren. Aber auch damals bedurfte es dazu mehrerer Voraussetzungen. Die erste habe ich schon genannt: Die GVC bestimmten noch <em>nicht<\/em> das Produktionssystem: Die zweite Bedingung aber war: Eine national-imperialistische Macht (die USA; vor dem Ersten Weltkrieg das UK) war unbestritten hegemonial im kapitalistischen Weltsystem. Ergebnis war ein globaler Ansatz, welcher sich im GATT und der WTO organisatorisch niederschlug.<\/p>\n<p>Diese beiden Voraussetzungen zerbr\u00f6ckeln seit einiger Zeit. \u00d6konomen als Ideologen und fast Alle aus der politischen Klasse weinen dem nach. Aber letztere tut Alles, um den Auf\u00adl\u00f6sungs-Prozess dieser Sorte von Weltsystem zu beschleunigen. An die Stelle des einheitlich globalen Ansatzes trat ein Prozess von Versuch und Irrtum. Er konkretisierte sich in regiona\u00adlen Handelsvereinbarungen (RTAs \u2013 r<em>egional trade associations<\/em>) und in Freihandels-Abkom\u00admen. Eines unter ihnen hat den politischen Schritt dar\u00fcber hinaus gemacht und einen (supra- und superimperialistischen) Staat gegr\u00fcndet \u2013 die EU. Der ist f\u00fcr alle anderen dieser Versuche seitens der politischen Eliten enorm attraktiv. Man m\u00f6chte ihn nachahmen, schafft es mangels an entsprechenden Voraussetzungen aber nicht.<\/p>\n<p>Handelspolitik wurde demzufolge zu einer neuen Art von Industriepolitik. Heute muss man dies noch umfassender begreifen: \u201eHandelspolitik\u201c wurde zur Wirtschaftspolitik schlechthin. Hier m\u00fcssen wir auf die GVCs zur\u00fcckkommen. Denn die GVCs m\u00fcssen entmythologisiert werden. Noch sind sie keineswegs der quantitativ dominierende Faktor der Weltproduktion (vgl. <em>GVC-Report<\/em> 2018). Die rein inl\u00e4ndischen Produkte machen noch 80 % der Produktion aus. Neben einer Diskussion \u00fcber die Grundlagen der derzeitigen Weltwirtschaft ist im Konzept der GVC in hohem Ausma\u00df Ideologie enthalten. Unter diesen \u201eWertschaffungs-Ketten\u201c sind so \u201ehoch-technologische Notwendigkeiten\u201c enthalten, wie das Sch\u00e4len deutscher Erd\u00e4pfel in Polen und \u00e4hnliche Wahnsinnigkeiten, welche insbesondere durch die vier \u201eFreiheiten\u201c der EU zustande kommen und von ihr gef\u00f6rdert werden; oder der Import von \u00c4pfeln aus Neuseeland und Chile nach \u00d6sterreich \u2026<\/p>\n<p>Diese Wertsch\u00f6pfungsketten sind in hohem Ma\u00df keineswegs technologisch begr\u00fcndet. Es sind politisch (-\u00f6konomisch) erzeigte Strukturen des globalen Systems. A. G. <em>Frank<\/em> und S. <em>Amin<\/em> haben dies weitsichtig bereits vor einem halben Jahrhundert in das aussagekr\u00e4ftige Bild gebracht: F&amp;E in die USA und nach Westeuropa; die Billig-Produktion hingegen in den Kongo. Aus dem Kongo wurden allerdings China und Vietnam \u2013 das konnte man sich damals beim besten Willen nicht vorstellen. Diese GVCs f\u00fcr Schuhe, Textilien und Handys dienen im Wesentlichen dazu, die Unter- und Mittelschichten in den USA und Europa ruhig zu halten, da man gleichzeitig die Reall\u00f6hne, jedenfalls der unteren und mittleren Einkommen (also von drei Viertel der Lohnabh\u00e4ngigen) beschneidet.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich erweisen sich die GVCs als Hauptstra\u00dfe, auf welcher die Politik der Globalisie\u00adrung in ihrer gegenw\u00e4rtig bevorzugten Weise, der Gro\u00dfregionalisierung, gefahren wird. Das Zentrum integriert sich. Freilich m\u00fcsste man in der Mehrzahl sprechen: Es bilden sich politisch und geographisch unterschiedliche Sunzentren. Der alt-neue Imperialismus differenziert und diversifiziert sich.<\/p>\n<p>Diese Art der global-regionalen Arbeitsteilung erweist sich also als Umverteilungs-Maschine von Unten nach Oben. Das gilt sowohl f\u00fcr die Zentren, also f\u00fcr die USA und Europa, als auch f\u00fcr die Peripherie; also f\u00fcr China. Der <em>GVC-Report<\/em> belegt dies sehr deutlich (p. 6): \u201eDie gro\u00ad\u00dfen Gewinne fielen in China einer kleinen Zahl von gut ausgebildeten Arbeitern sowie den Kapital-Eignern \u2013 einschlie\u00dflich der ausl\u00e4ndischen Investoren \u2013 zu. \u2026 In den USA haben gew\u00f6hnliche Arbeiter nicht viel, wenn \u00fcberhaupt was, von einem solchen Gewinn gesehen.\u201c<\/p>\n<p>Auch die \u00f6konomische Literatur befasst sich seit geraumer Zeit mit den Fragen der Vertei\u00adlung, und nicht nur <em>Piketty<\/em>. Aber der dominante Ton dieser Literatur ist auf einen Technolo\u00adgismus hin gestimmt. Die wachsende Ungleichheit sei eine notwendige Folge der neuen Anforderungen an die Arbeitskr\u00e4fte, der besseren Ausbildung. Sehen wir einmal ab davon, dass dies in Bezug auf die Verteilung zwischen Kapital und Arbeit haneb\u00fcchener Unsinn ist, und die macht einen Gro\u00dfteil dieser wachsenden Ungleichheit ab. Aber es stimmt: Die Ungleichheit w\u00e4chst auch innerhalb der Lohnabh\u00e4ngigen. Aber diese neue Struktur der Weltwirtschaft, die gerade auch den hoch entwickelten L\u00e4ndern und Wirtschaften die besser ausgebildeten Arbeitskr\u00e4fte knapp werden lie\u00df, war keine spontane Entwicklung. Sie wurde politisch geplant und durchgezogen. Das ist es ja, was nicht nur wir an der Globalisierung anzumerken haben: Sie ist eine bewusste Politik der Umverteilung durch Struktur-Ver\u00e4nde\u00adrungen. Der \u00dcberschuss an schlecht ausgebildeten Arbeitskr\u00e4fte und der Mangel an besser ausgebildeten wurde durch die Verschiebungen in der Zentrum-Peripherie-Logik erzeugt. Diese Art von Klassenkampf durch Struktur-Politik ging \u00fcbrigens nicht immer gut aus f\u00fcr die Unternehmen, die sich darauf herein lie\u00dfen. Es gibt eine ganze Anzahl von Unternehmen, welche ihre Betriebe wieder zur\u00fcck in die Zentren verlagert haben, weil sie ihrem dortigen Markt n\u00e4her sein wollen.<\/p>\n<h2><em>Die neue Form der Globalisierung und des Freihandels<\/em><\/h2>\n<p>Es ist dieser verallgemeinerte strukturelle Aspekt, welche die Freihandels-Vertr\u00e4ge nach dem Muster von CETA und TTIP zu solchen strategischen Notwendigkeiten f\u00fcr die Eliten macht. Die Sprecher dieser Eliten, die Mehrheit der \u00d6konomen, begr\u00fcnden dies allerdings auf teils naive, teils wirklich hinterh\u00e4ltige Art (weil sie sehr wohl wissen, dass dies Unsinn ist) etwa auf folgende Weise: Jedes Land soll das machen, was es am besten kann; dann gewinnen alle an Wohlstand. Dieser Rekurs auf das Ricardo\u2019sche Theorem der komparativen Kosten ist pure Ideologie. Schon Ricardos Darlegung zu seiner Zeit war pure Ideologie \u2013 Ricardo wusste sehr wohl, dass Portugal im Jahr 1817 den britischen Inseln an Produktivit\u00e4t schwer unterlegen war, insbesondere in der Textilindustrie. Er bringt aber ein Zahlen-Beispiel (vgl. <em>Ricardo<\/em> 1971 [1817], 147 ff.). wo das Gegenteil drinnen steht.<\/p>\n<p>Die \u201eMega-Regionals, wie man solche Organisationen des Freihandels (TPP) auch gern nennt, bauen sich als spezialisierte Weltstaaten f\u00fcr ein bestimmtes Gebiet (n\u00e4mlich Industrie- und Wirtschafts-Gebiet) auf, wo das Kapital teils selbst die Regulierung \u00fcbernimmt. Indem sie alles aus einem kommerziellen Blickwinkel ansehen und regulieren, scheinen sie sich an der Oberfl\u00e4che zu beschr\u00e4nken. Aber diese scheinbare Restriktivit\u00e4t und politische Zur\u00fcck\u00adhaltung schl\u00e4gt sofort in ihr Gegenteil um, und muss dies auch. Sie wird zu einer umfassenden Regulierung der betroffenen Regionen nach ganz speziellen Sonder-Interessen des Welt-Kapitals.<\/p>\n<p>Diese Versuchsstationen des regionalisierten globalen Kapitals brachten auch eine neue Form des Imperialismus hervor. Nennen wir ihn den <em>imperialen Imperialismus<\/em>, weil sein Tr\u00e4ger nicht mehr der nationale Staat, sondern das supranationale Imperium ist. Davon gibt es meh\u00adrere Formen. Die <em>USA<\/em> haben noch die \u00e4u\u00dfere Form des Nationalstaats bewahrt. <em>China<\/em> steht ideologisch auf demselben Fundament, ist seiner ganzen Organisation nach aber seit je ein Imperium. Ich denke dabei nicht an die insgesamt 100 Mill. ethnischen Minderheiten, son\u00addern an die strikt und h\u00f6chst zentralisierte Staats-Organisation, welche ohne irgendwelche R\u00fccksicht auf regionale Unterschiede und Identit\u00e4ten einem Schema folgt.<\/p>\n<p>Graphik 1<\/p>\n<p><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=1699&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel1-1200x785.jpg\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 60vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" srcset=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel1-1200x785.jpg 1200w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel1-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel1-768x503.jpg 768w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel1-1024x670.jpg 1024w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel1.jpg 1600w\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"550\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gibt es die EU. Sie schmiedet aus den typenbildenden europ\u00e4ischen Nationalstaa\u00adten einen supranationalen \u00dcberstaat.<\/p>\n<p>Das Kapital ist l\u00e4ngst nicht mehr prim\u00e4r national organisiert, das Finanz-Kapital sowieso, aber auch das Industrie-Kapital. Aber verteilt auf nationale Staaten und auf Imperien mit dominanten nationalen Kernen (EU \u2013 BRD z. B.) hat es eine notwendige nationale Bindung. Es m\u00f6chte sie zwar am liebsten abstreifen. Aber da gibt es Probleme. Dieser Widerspruch \u00e4u\u00dfert sich u. A. in der doppelten Loyalit\u00e4t, welche Kapitaleigner gern an den Tag legen. Zum Einen sind sie auf eine ganz spezielle Weise Nationalisten. Nicht dass ihnen nationale Identi\u00adt\u00e4t irgendwas bedeutet, im Gegensatz zu den Mittel- und Unterschichten. Aber das Kapital braucht \u201eseinen\u201c Staat. Denn es braucht die politische Unterst\u00fctzung. Allerdings muss der Staat Macht haben und durchsetzungskr\u00e4ftig und -bereit sein. Daher orientieren sich nicht wenige Kapitalisten auch emotiv auf die USA. Die sind gewillt und in der Lage, milit\u00e4risch-politisch die Interessen ihrer Kapitalisten durchzusetzen. Dass dies faktische Grenzen hat, ist eine andere Frage. Wir k\u00f6nnen dies ja in der Gegenwart am \u201eHandelskrieg\u201c sehen, welchen Trump gerade vom Zaun bricht (Sommer 2018). Dass Trump so um sich schl\u00e4gt, hat vorwiegend mit der Abstiegs-Position der USA zu tun.<\/p>\n<p>Der Kreis um <em>Wallerstein<\/em> hat bereits Ende der 1970er vom Ende des Hegemonie-Zyklus gesprochen, an wel\u00adchem die USA angelangt sind (<em>Research Working Group<\/em> 1979). Damals allerdings steuerte die Sowjetunion auf ihren Zusammenbruch und ihre Aufl\u00f6sung zu. Folge war eine kurze Periode, wo die USA dominierten wie kaum jemals zuvor. Man konnte sich damals also mit gutem Grund \u00fcber die Wallerstein-Aussage lustig machen. Inzwischen muss man dies vielleicht etwas revidieren. Die Beobachtung scheint l\u00e4ngerfristig jedenfalls zuzutreffen.<\/p>\n<p>Wenn vielleicht auch die VGR-Daten in ihrer Qualit\u00e4t nicht so sind, wie wir sie uns w\u00fcnschen w\u00fcrden, f\u00fchrt doch kein Weg an ihnen vorbei. Sie zeigen zweierlei: Der Anteil des Au\u00dfen\u00adhandels am gesamten Welt-Produkt steigt seit dem Zweiten Weltkrieg fast stetig, nachdem er in der Zwischenkriegszeit mit der Weltwirtschaftskrise abgesackt war. Aber gleichzeitig ist er doch beschr\u00e4nkter, als man geneigt ist zu glauben. Er macht derzeit ein knappes Drittel aus. Und dabei gilt es, auch auf die kategorienweise Verteilung Zentren \u2013 Peripherie zu sehen (vgl. <em>Graphik 1<\/em>). Dabei f\u00e4llt vor allem auf: Die Zentren haben einen vergleichsweise nur beschei\u00adden gr\u00f6\u00dferen Anteil als die Peripherie.<\/p>\n<p>Graphik 2<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel2.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1698 size-large\" src=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel2-1024x785.gif\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"644\" srcset=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel2-1024x785.gif 1024w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel2-300x230.gif 300w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel2-768x589.gif 768w, https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Welthandel2-1200x920.gif 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wenn wir aber Daten beibringen, m\u00fcssen wir nicht nur Entwicklungs-Kategorien, sondern auch <em>einzelne L\u00e4nder<\/em> betrachten (<em>Graphik 2<\/em>). Die Zentren haben nur deswegen eine so niedrige Export-Quote, weil die USA hier hohes Gewicht hat. Die USA haben aber aus zwei Gr\u00fcnden keine so hohe Au\u00dfenhandelsverflechtung \u2013 allerdings ein hohes absolutes Gewicht: Zum Einen gibt es die bekannte statistische Regelm\u00e4\u00dfigkeit, dass gro\u00dfe L\u00e4nder eine ver\u00adgleichsweise niedrige Au\u00dfenverflechtung haben, weil bei ihnen viel vom Handel im Inneren stattfindet, der bei kleineren Wirtschaften \u00fcber die nationale Grenzen l\u00e4uft. In der EU wird der Intra-Handel von den internationalen Organisationen zum Welthandel gez\u00e4hlt, was dessen Anteil enorm in die H\u00f6he treibt. Zum Anderen ist allerdings auch der Bedeutungsverlust der USA erkennbar. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr Japan. Bei den USA macht in einer Trendlinie die Steigung nur ein F\u00fcnftel von der f\u00fcr die BRD aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr die EU ist allerdings zu sagen, dass die BRD einen \u201eHub\u201c des Welthandels bildet. Das schl\u00e4gt voll durch. Die EU ist ein Export-Gebiet zum Nutzen des deutschen Export-Kapitals. Der Jargon um <em>trade-creating<\/em> \u2013 Freihandelszonen und Zollunion schaffen neuen Handel \u2013 und <em>trade-diverting<\/em> \u2013 diese Organisationen lenken vor allem bisherige Handelsstr\u00f6me ab zum Nutzen einer Hegemonialmacht \u2013 verwischt hier eher die Sachlage und insbesondere die politische Verursachung.<\/p>\n<p>Eine besondere Stellung nimmt auf Grund der schieren Gr\u00f6\u00dfe, aber auch der bisherigen Geschichte, die <em>VR China<\/em> in dieser globalen Struktur ein. Das Land pr\u00e4sentiert sich gegen\u00adw\u00e4rtig als eigentlicher Verteidiger des multilateralen Freihandels. Es positioniert sich auch gegen die gegenw\u00e4rtige Entwicklung in der Globalisierung, n\u00e4mlich die zunehmende Bedeu\u00adtung der RTAs, gegen die Regionalisierung des Handels bzw. der Wirtschaft. Das ist leicht erkl\u00e4rlich. Mit Dengs Macht\u00fcbernahme hatte es die klassische Strategie der Abh\u00e4ngigkeit gew\u00e4hlt, n\u00e4mlich die kapitalistische Entwicklung \u00fcber den Au\u00dfenhandel. Aber diese Strategie war in eine nationale Entwicklungs-Strategie eingebettet. Allein seiner Gr\u00f6\u00dfe wegen konnte es selbst in einer solchen Dependenz-Strategie mit seinem <em>Willen zur politischen Steuerung<\/em> seine eigenen Akzente setzen und eine sklavische Abh\u00e4ngigkeit \u00e0 la Singapur oder Burkina Faso vermeiden. Dieser Wille zur politischen Steuerung auch der Au\u00dfenwirtschaft ist vielleicht das Einzige, was aus der chinesischen Revolution noch \u00fcbrig blieb, eine ziemlich wichtige \u201enationale\u201c (?) Strategie.<\/p>\n<p>Aber nun st\u00f6\u00dft das Land an die Grenzen dieser Strategie. Sie sind sowohl von Innen wie von Au\u00dfen gesetzt. Innen w\u00e4chst der Druck der eigenen Bev\u00f6lkerung gegen die mit der Au\u00dfen-Abh\u00e4ngigkeit verbundene Strategie der \u00dcberausbeutung der eigenen Bev\u00f6lkerung. Da kann die Pekinger F\u00fchrung noch so viele Menschen erschie\u00dfen lassen und dann \u201eproduktiv ver\u00adwerten\u201c (durch Organhandel). Dem treten die Regierung und die politisch-\u00f6konomische Elite mit einem Versuch zur F\u00f6rderung und Entwicklung einer chinesischen Mittelklasse entgegen. Bislang hat es einiger Ma\u00dfen funktioniert. Die Mittelklasse hat noch einen nicht sehr gro\u00dfen Anteil, aber bei dem Umfang der Bev\u00f6lkerung f\u00e4llt sie trotzdem ins Gewicht. Das ist heute die eigentliche St\u00fctze der Pekinger F\u00fchrung neben den Oligarchen des chinesischen Kapitals. Auch wenn der Druck gro\u00df ist, das Land ist nicht explodiert oder sonstwie kollabiert.<\/p>\n<p>Au\u00dfen aber gibt es die Konkurrenz-Politik der Zentren USA, EU und Japan. Die besteht vor allem im gerade besprochenen Strategie-Wechsel weg vom multilateralen Freihandel (viel\u00admehr nicht weg, aber seiner Verschiebung in der Bedeutung) hin zu den RTAs. Das ist auch eine Strategie gegen China, und die chinesische F\u00fchrung wei\u00df dies. Sie reagiert doppelt. Zum Einen tritt sie selbstbewusst als F\u00fchrerin der Dritten Welt, als imperiale und imperialistische Macht auf und als die Hauptst\u00fctze des Freihandels. Zum Anderen ist sie aber auch wieder bereit, sich den neuen Bedingungen unterzuordnen. Sie sucht den Anschluss an TPP. Um jedoch den RTAs der USA etwas entgegen zu setzen, wird die Neue Seidenstra\u00dfe propagiert, die ihrerseits eine Art chinesisch dominierte RTA sein soll.<\/p>\n<p>Damit wirkt die Grundhaltung der chinesischen F\u00fchrung zwiesp\u00e4ltig. Einerseits pocht sie auf die neue Stellung \u201eChina should not just be a rules taker!\u201c So gibt Yong <em>Wang<\/em> (WEF 2025, 23), offenbar ein wichtiger Wirtschafts-Ideologe Chinas, die Haltung wieder. Andererseits ist dies aber doch wieder die Fortsetzung der Einordnung in den kapitalistischen Weltmarkt, wo China eben sein Heil sucht. Denn auch dort gilt: Au\u00dfenpolitik und speziell Au\u00dfenwirtschafts\u00adpolitik wird nicht zuletzt mit dem Blick auf innere Machtverh\u00e4ltnisse eingesetzt. Ein h\u00f6herer Freihandels-Standard, so teilt uns der gerade zitierte chinesische Wirtschafts-Ideologe mit, soll auch im Inneren die Widerst\u00e4nde von Wirtschaftsfunktionieren und B\u00fcrokraten gegen die \u201eneue\u201c Politik der Totalunterordnung unter das globale kapitalistische System brechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Eine Aktualit\u00e4t aus dem <em>Handelsblatt, 18. Juli 2018<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Zeichen f\u00fcr den Freihandel<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Die EU schlie\u00dft mit Japan ein neues Wirtschaftsb\u00fcndnis. Weitere k\u00f6nnten folgen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die EU und Japan wollen sich zur gr\u00f6\u00dften Freihandelszone der Welt zusammenschlie\u00dfen. EU-Kom\u00admissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Ratspr\u00e4sident Donald Tusk und Japans Premierminister Shinzo Abe unterschrieben am Dienstag in Tokio feierlich das Freihandelsabkommen Jefta. Das Abkommen enthalte eine \u201emachtvolle\u201c Botschaft gegen den Protektionismus, hei\u00dft es in einer ge\u00admeinsamen Erkl\u00e4rung der drei Unterzeichner. Die EU und Japan w\u00fcrden damit ihren \u201efesten politischen Willen demonstrieren, die Flagge des freien Handels hochzuhalten\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Mit Inkrafttreten des Jefta-Abkommens im kommenden Jahr sollen \u00fcber 90 % der japanischen Einfuhr\u00adz\u00f6lle wegfallen. Dies bringe EU-Exporteuren Einsparungen von einer Milliarde Euro, erwartet die EU-Kommission. Insgesamt k\u00f6nnten die EU-Exporte nach Japan j\u00e4hrlich um 13,5 Milliarden \u20ac steigen. Davon w\u00fcrden vor allem die Landwirtschaft, der Maschinenbau, die Chemiebranche und die Auto-industrie profitieren. Die deutsche Wirtschaft begr\u00fc\u00dfte das Abkommen. Damit schlie\u00dfe die EU den <em>umfassendsten Freihandelsvertrag ihrer Geschichte<\/em>. Dies sei \u201eein hoffnungsvolles Signal in einer f\u00fcr den Welthandel sehr schwierigen Zeit\u201c, sagte BDI-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Joachim Lang. R. Berschens.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das ist die Ideologie des Freihandels. Aber es geht nicht um Z\u00f6lle \u2013 die sowieso nur mehr geringe Bedeutung haben. Es geht um die Entgrenzung als Strategie des Abbaus politischer Steuerungs-M\u00f6glichkeiten<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es w\u00e4re noch viel zu sagen. Der Begriff der <em>Dienste<\/em> nimmt z. B. eine besondere Stellung und eine zunehmende Bedeutung im neuen Welthandel ein. Nun schl\u00e4gt sich dieser Begriff als unmittelbare Produktion, die gleichzeitig einen Verbrauch darstellt, mit dem Begriff des Handels. Ein Teil der etwas altmodischen marxistischen \u00d6konomie hat mit diesem Begriff \u00fcberhaupt Schwierigkeiten. Das \u00fcbersieht den wichtigsten Punkt dabei. Die neuere Entwick\u00adlung hat die \u201eDienste\u201c einfach so definiert, dass sie im Grund einfach ein Ausdruck der zunehmenden Arbeitsteilung und noch mehr, der zunehmenden Kommodifizierung aller menschlichen Aktivit\u00e4ten sind. \u00dcberdies erh\u00e4lt das Konzept eine zunehmend parasit\u00e4re Bedeutung (\u201eFinanz-Dienstleistungen\u201c). Es ist schlie\u00dflich kein Zufall, dass die h\u00f6chsten Anteile an Dienstleistungen am Export in den Off-shore-Wirtschaften Luxemburg, Malta und Zypern zu finden sind. Diese korrupten Nischen der Steuer-Hinterziehung und sonstiger Betr\u00fcgereien leben in hohem Ausma\u00df davon, aus anderen Wirtschaften Werte zu sich abzuzweigen. Usf.<\/p>\n<h2><em>Konsequenz<\/em><\/h2>\n<p>Kommen wir zum Schluss mit dieser Einleitung und \u00dcbersicht!<\/p>\n<p>Das globale System der Welt<em>wirtschaft<\/em> muss als eine erstrangig <em>politische<\/em> Angelegenheit betrachtet werden. Im Zentrum steht die USA, trotz ihrer Schw\u00e4chen und Abstiegs-Tenden\u00adzen. Das kann man sogar r\u00e4umlich-w\u00f6rtlich nehmen. Auf ihrer Westseite geht es um die TPP (<em>Transpazifische Partnerschaft<\/em>). Auf der Ostseite um TTIP. Und TPP sowie TTIP sind ja keineswegs tot, wie es uns einige Politiker weismachen wollen. Die Vorhaben wurden vorerst in den Hintergrund geschoben. CETA soll den T\u00fcr\u00f6ffner bilden. Geht CETA durch \u2013 und die Chancen daf\u00fcr sind nicht gering \u2013 dann steht TTIP blitzartig wieder auf der Tagesordnung, vielleicht unter einem anderen Namen. Und an TPP ist mittlerweile der gro\u00dfe Freih\u00e4ndler China interessiert.<\/p>\n<p>Im Kampf dagegen ist Trump unfreiwillig und kurzfristig der beste und effizienteste Verb\u00fcn\u00addete. Denn mit diesem Pr\u00e4sidenten haben die europ\u00e4ischen Eliten ihre Schwierigkeiten,. Als Vertreter der vom Abstieg bedrohten Wei\u00dfen und nicht zuletzt von deren Lumpen-Proletariat handelt er gezwungener Ma\u00dfen gegen die liberalen Mittelschichten und auch einen Teil der Eliten. Das k\u00f6nnen die Europ\u00e4er ihren Bev\u00f6lkerungen schwer vermitteln und schmackhaft machen. Eine strategisch denkende globale Linke sollte sich das zunutze machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<ol start=\"15\">\n<li>Juli 2018 Albert F. Reiterer<\/li>\n<\/ol>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Bertelsmann Stiftung<\/em> (2018), Globalisierungsreport 2018. Wer profitiert am st\u00e4rksten von der Globalisierung? Johann Wei\u00df, Dr. Andreas Sachs, Heidrun Weinelt. G\u00fctersloh.<\/p>\n<p>GVC-Report = GLOBAL VALUE CHAIN DEVELOPMENT REPORT 2017. Measuring and Analyzing the Impact of GVCs on Economic Development. Washington: International Bank for Reconstruction and Development \/ The World Bank.<\/p>\n<p><em>Lee, Keun \/ Shin, Wonkyu \/ Shin, Hochul<\/em> (2013), How large is the Policy Space? WTO Regime and Industrial Policy. Seoul: National University (Manus).<\/p>\n<p><em>Research Working Group on Cyclical Rhythms and Social Trends <\/em> (1979), Cyclical Rhythms and Social Trends of the Capitalist World Economy. Some Premises, Hypotheses, and Questions. In: Review II, 483 \u2013 500.<\/p>\n<p><em>Ricardo, David<\/em> (1971 [1817]), On the Principles of Political Economy and Taxation. Ed. by R. M. Hartwell. Harmondsworth: Penguin.<\/p>\n<p><em>WTO<\/em> (2018), Annual Report. Genva: WTO.<\/p>\n<p><em>WEF = World Economic Forum<\/em> (2015), The High and Low Politics of Trade. Can the World Trade Organization\u2019s Centrality be Restored in a New Multi-Tiered Global Trade System? Geneva: WEF.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGlobale Wertsch\u00f6pfungsketten\u201c Die Internationalisierung der Produktion \u2013 oder vielmehr eines wesentlichen Teils davon, \u00fcber diesen Unterschied sp\u00e4ter \u2013 l\u00e4uft \u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2018\/07\/18\/das-neue-weltsystem-des-21-jahrhunderts-nochmals-freihandel-vom-imperialismus-der-nationen-zum-imperialismus-der-imperien\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDAS NEUE WELTSYSTEM DES 21. 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