{"id":1908,"date":"2019-03-02T09:11:38","date_gmt":"2019-03-02T08:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=1908"},"modified":"2019-03-02T09:24:18","modified_gmt":"2019-03-02T08:24:18","slug":"die-diskrete-propaganda-der-e-ideologen-und-ihre-manipulationen-wer-profitiert-vom-e-wer-verliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2019\/03\/02\/die-diskrete-propaganda-der-e-ideologen-und-ihre-manipulationen-wer-profitiert-vom-e-wer-verliert\/","title":{"rendered":"DIE DISKRETE PROPAGANDA DER \u20ac-IDEOLOGEN UND IHRE MANIPULATIONEN: Wer profitiert vom \u20ac, wer verliert?"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Arbeitspapier des CEP, Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Politik, wurde eben publiziert. Es handelt von den \u201eWohlstandswirkungen\u201c der Einheitsw\u00e4hrung und zeigt an der Zahl BIP pro Kopf: Von acht untersuchten L\u00e4ndern haben f\u00fcnf massiv verloren; Griechenland sei pari ausgestiegen (!!!). Wirklich gewonnen habe einzig die BRD, die aber in gro\u00dfem Ausma\u00df (2 Billionen) , und in gewissem Ausma\u00df auch noch die Niederlande. Italien und Frankreich w\u00fcrden ohne \u20ac kumuliert um je etwa 4 Billionen besser gefahren sein, also um jeweils zwei Jahresproduktionen zu Preisen von 2017 (BIP 2017 Italien 1,725 Bill. \u20ac; Frankreich 2,292 Bill.). Anders ausgedr\u00fcckt: Italiener und Franzosen h\u00e4tten ohne den Euro bis heute insgesamt zwei Jahresergebnisse mehr zur Verf\u00fcgung, haben also wegen des \u20ac zwei Jahre umsonst gearbeitet.  <\/p>\n\n\n\n<p>Man wundert sich. Das CEP ist nach eigenen Angaben ein \u201eeuropapolitischer Think-tank\u201c, ein \u201eunabh\u00e4ngiges Kompetenzzentrum\u201c. Und die sagen uns pl\u00f6tzlich, dass der \u20ac f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der untersuchten L\u00e4nder massive Nachteile habe?  Das Papier richtet sich haupts\u00e4chlich an deutsche Politiker. Da muss man heute ab und zu den Vorteil der BRD schon betonen. Denn selbst dort w\u00e4chst der Widerstand. Die eigentlichen Aussagen kommen weiter im Inneren: \u201eItalien hat nach wie vor keine M\u00f6glichkeit gefunden, wie es innerhalb der \u20ac-Zone wettbewerbsf\u00e4hig sein kann. \u2026 Statt [der Abwertungen] bedarf es nun Strukturreformen\u201c (10). Das ist eine wortw\u00f6rtliche Wiederholung, was auf S. 8 bereits \u00fcber Frankreich gesagt wurde. Dort haben die Autoren noch hinzugef\u00fcgt: \u201e<strong>Frankreich muss den von Pr\u00e4sident Macron eingeschlagenen Reformweg zwingend konsequent weitergehen.\u201c<\/strong> Damit ist die Katze aus dem Sack. Auch das wird bei Portugal wiederholt und erg\u00e4nzt: \u201ePortugal muss <strong>zwingend <\/strong>Reformen durchf\u00fchren \u2026 und \u00f6ffentliche Ausgaben weniger konsumtiv nutzen.\u201c Also: Fresst weniger und arbeitet mehr!  <\/p>\n\n\n\n<p>Der Zweck der \u00dcbung ist also klar: \u201eInnere Abwertung!\u201c Im Gegensatz zu Puzzello \/ Gomes-Porqueras 2018, eine Untersuchung mit derselben Methode, versuchen diese Autoren nicht, ihre Berechnungs-Methode im Detail darzustellen. Aber sie erl\u00e4utern sie kurz und geben immerhin die Kontrollgruppe und ihre Mitglieder f\u00fcr jedes Land an. Es ist ziemlich plausibel, dass man L\u00e4nder \u00e4hnlicher Struktur und \u00e4hnlichen Entwicklungsstands zum Vergleich heranzieht.  <\/p>\n\n\n\n<p>Hier fangen die Probleme an.  Diese Kontrollgruppe ist jeweils ein Sammelsurium v\u00f6llig unverbundener Wirtschaften. Griechenland wird z. B. Barbados und Neuseeland gegen\u00fcber gestellt. Noch problematischer wird es, wenn die Schweiz heran gezogen wird. Gegen\u00fcber der Schweiz hat der \u20ac dauernd abgewertet. Damit hat er die Bedingungen des Schweizer Exports und des Schweizer Wachstums besch\u00e4digt. Auch die Schweiz w\u00e4re ohne Einf\u00fchrung des Euros im Nachbarland BRD schneller gewachsen. Anfang 2000 zahlte man 1,6 Franken f\u00fcr 1 \u20ac; inzwischen erh\u00e4lt man den \u20ac schon f\u00fcr 1,13 Franken \u2013 eine Abwertung des \u20ac gegen\u00fcber dem Franken um 42 %. Und mehr als die H\u00e4lfte der Schweizer Waren-Exporte (53 %) gehen in die EU, vor allem in die \u20ac-Zone. Wir wissen ja: F\u00fcr die BRD bedeutet der \u20ac eine Abwertung, w\u00e4hrend er f\u00fcr die der Abwer\u00actung bed\u00fcrftigen S\u00fcdwirtschaften eine Aufwertung darstellt.   <\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Punkt ist die zeitliche Abgrenzung. Schon im ersten Absatz wunderte ich mich: Griechenland, dessen Wirtschaft von der Troika \u2013 pardon: Tsipras und Varoufakis wollen, dass wir von den \u201eInstitutionen\u201c sprechen \u2013 platt gemacht wurde, sei pari ausgestiegen? Doch hier wird die griechische Blase bis 2009 voll mitgerechnet. Aber dann wird die Zeit bei 2017 abgeschnitten. Das ist im Design der Untersuchung v\u00f6llig korrekt. Wenn man allerdings die Graphiken auf S. 15 und auf S. 9 vergleicht, dann ist v\u00f6llig klar: Bereits 2018 w\u00fcrde sich der kumulierte Saldo drehen (-3,5 Mrd.) und ein negatives Gesamtergebnis heraus kommen. Wenn man noch einige Jahre dazu rechnete, w\u00e4re die Summe tiefrot.  Einige Schlitzohren k\u00f6nnten nun sagen: Aber das sind ja dann Projektionen! Nat\u00fcrlich: Aber die ganze Methode ist auf Projektionen aufgebaut, die um nichts exakter sind als die eben vorgef\u00fchrte. Man braucht hier nicht mehr viel dazu sagen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Oder vielmehr doch, n\u00e4mlich das Wichtigste. Hier wird st\u00e4ndig von \u201eWohlstandswirkungen\u201c gesprochen; aber verwendet wird das BIP pro Kopf, also ein Durchschnitt. Die Verteilung wird nicht einmal angesprochen. Dabei kommt in einem Nebensatz sogar der Konsum vor. Der aber sinkt im Anteil sogar in \u00d6sterreich seit den 1990ern, seit dem EU-Beitritt, also in einem Land, das angeblichvon der W\u00e4hrungsunion  \u201ebeg\u00fcnstigt\u201c ist.  <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der gew\u00f6hnliche Trick von \u00d6konomen. In den Einf\u00fchrungs-Vorlesungen bringen sie den Studenten bei, dass mit den Gossen\u2019schen Gesetzen und dem \u201eabnehmenden Grenznutzen\u201c \u2013 also mit nicht beobachtbaren Effekten \u2013 der Wohlstandsgewinn bei jeder zus\u00e4tzlichen Einheit sinke, und (das sagen sie sicherheitshalber schon nicht mehr dazu) dass damit Gleichverteilung eigentlich den h\u00f6chsten Wohlstand erg\u00e4be. In der Praxis vergessen sie sehr schnell darauf. Da braucht es dann Incentives f\u00fcr die Leistungswilligen und daher Ungleichheit.  Gewonnen haben in \u00d6sterreich wie in der Bundesrepublik die Exporteure, allgemein die Bezieher hoher Einkommen, nicht \u201e\u00d6sterreich\u201c oder \u201eDeutschland\u201c. Das ist das Um und Auf.  <\/p>\n\n\n\n<p><em>Dass diese Studie politische Bedeutung hat, ersieht man auch daraus, dass der Sprecher des doktrin\u00e4ren EU-skeptischen Fl\u00fcgels der deutschen \u00d6konomen sofort reagiert. Hans Werner Sinn versucht in einem kurzen Kommentar im \u201eHandelsblatt\u201c (28. Feber 2018) die Sprengladung zu entsch\u00e4rfen. U. a. meint er: \u201eTats\u00e4chlich wurden die deutschen Export\u00fcbersch\u00fcsse (oft) \u2026 f\u00fcr windige Verm\u00f6genstitel im Ausland verwendet. Milliarden Euros [wie viel???] waren abzuschreiben \u2026 Auf den riesigen rechnerischen Nettobestand an Auslandsverm\u00f6gen (erzielt man) generell nur mickrige Zinsen.\u201c Abgesehen, dass dies weitgehend falsch ist, weil das argumentiert, als ob die Spekulanten ihr Geld auf Sparb\u00fccher legen w\u00fcrden, ist es auch wirklich frech: Weil sich einige Kapitalisten verspekulieren, behauptet er, die Gelder, die f\u00fcr die Spekulation eingesetzt wurden, seine vorher gar kein Gewinn gewesen. Aber eines hat der ex- oder vielmehr em. Professor gut genug verstanden: Das ist ein hei\u00dfes politisches Thema. Er f\u00fcrchtet, die BRD (! \u2013 die Arbeitenden) h\u00e4tte mehr zu zahlen.  <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und noch etwas. Wir k\u00f6nnen zu Recht argumentieren: Der \u20ac bildet keine \u201eOptimale W\u00e4hrungszone\u201c. Das geben die \u00f6konomischen Doktrin\u00e4re sogar selbst zu. Zu denen, die am meisten leiden, geh\u00f6ren ironischer Weise jene, die in ihrer Verblendung am st\u00e4rksten auf die Euro-Einf\u00fchrung gedr\u00e4ngt haben. Es war Mitterrand und mit ihm die franz\u00f6sischen Sozialdemokraten. Sie hatten die W\u00e4hrungsunion zur Bedingung gemacht, dass sie dem Anschluss der DDR an die BRD zustimmten. Mitterrand ist tot. Die franz\u00f6sischen Sozialdemokraten, der PSI, aber ist zur Kleinpartei verkommen, soweit nicht Macron einigen unter ihnen gn\u00e4dig Unterschlupf in seiner F\u00fchrer-Partei gew\u00e4hrte.  <\/p>\n\n\n\n<p>Aber unser Haupt-Motiv gegen den Euro ist nicht die OCA, die optimale W\u00e4hrungszone, Unser Hauptmotiv ist: Die EU, das Imperium macht den bescheidenen Ansatz zu einer politischen Demokratie kaputt, schafft die Demokratie ab. Sie macht eine sozialistische Politik unm\u00f6glich, eine Politik f\u00fcr eine gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung. Die EU wurde dazu gegr\u00fcndet, und der Euro ist der Mechanismus, welcher dies Tag f\u00fcr Tag ohne viel Aufsehen erledigt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Solche Arbeiten sind f\u00fcr uns trotzdem n\u00fctzlich. Denn sogar die Ideologen des Euro m\u00fcssen zugeben: F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung war die W\u00e4hrungsunion keine gute Idee.<\/p>\n\n\n\n<p>  AFR, 28. Feber 2018  <\/p>\n\n\n\n<p>Gasparotti, Alessandro \/ Kullas, Matthias (2019), 20 Jahre Euro: Gewinner und Verlierer. Eine empirische Untersuchung. CEP Studie. <\/p>\n\n\n\n<p> Puzzello, Laura \/ Gomis-Porqueras, Pedro (2018), Winners and losers from the \u20acuro. In: European Economic Review 108, 129 \u2013 152 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Arbeitspapier des CEP, Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Politik, wurde eben publiziert. 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