{"id":2024,"date":"2019-06-21T10:47:10","date_gmt":"2019-06-21T08:47:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=2024"},"modified":"2019-07-01T21:58:36","modified_gmt":"2019-07-01T19:58:36","slug":"minibots-um-die-austeritaet-auszuhebeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2019\/06\/21\/minibots-um-die-austeritaet-auszuhebeln\/","title":{"rendered":"Minibots, um die Austerit\u00e4t auszuhebeln"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Interview\nmit Leonardo Mazzei von der patriotischen Linken Italiens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Leonardo Mazzei ist einer der Sprecher von Programma 101, einer politischen Organisation, die aus der \u201cLinken Koordination gegen den Euro\u201d hervorgegangen ist. Der Name P101 nimmt Bezug auf einen von Olivetti entwickelten Desktop-PC, der als erster seiner Art im Jahre 1965 auf dem Markt kam, aber den kommerziellen Durchbruch nicht schaffte. P101 steht damit f\u00fcr die selbst\u00e4ndigen Entwicklungspotentiale Italiens.&nbsp; In den 1990er Jahren war Mazzei f\u00fchrendes Mitglied von Rifondazione Comunista. Heute schreibt er regelm\u00e4\u00dfig zu politischen und wirtschaftlichen Themen f\u00fcr die Webseiten <a href=\"http:\/\/programma101.org\/\">programma101.org<\/a>, <a href=\"https:\/\/sollevazione.blogspot.com\/\">sollevazione.blogspot.com<\/a> und <a href=\"http:\/\/antimperialista.it\/\">antimperialista.it<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nEU-Wahlen haben die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse innerhalb der populistischen Regierung umgedreht.\nWie erkl\u00e4ren Sie das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es gab diese Inversion der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse,\naber zun\u00e4chst sei darauf hingewiesen, dass die gelb-gr\u00fcne Regierung insgesamt sogar\nan Unterst\u00fctzung gewonnen hat. Bei den Parlamentswahlen 2018 erreichten sie\ngemeinsam 50,0%, jetzt vereinigten sie 51,4% der Stimmen auf sich. Wenn man die\ngro\u00dfen Schwierigkeiten des ersten Regierungsjahres in Rechnung stellt,\nunterstreicht das die Bedeutung des Ergebnisses.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass die interne Ver\u00e4nderung der Unterst\u00fctzung\nf\u00fcr die Regierungskoalition mit drei Faktoren erkl\u00e4rt werden kann. Vor allem\nkonnte die Lega gro\u00dfen Konsens f\u00fcr die Einschr\u00e4nkung der illegalen Einwanderung\n\u00fcber das Mittelmeer erzielen. In zweiter Linie hat die neue Pensionsregelung \u201eQuote\n100\u201c [der Pensionsanspruch entsteht, wenn die Summe aus Beitragsjahren und\nLebensalter 100 erreicht wird], f\u00fcr die sich die Lega einsetzte, viele Arbeiter\nzum ersten Mal dazu bewogen, ihr die Stimme zu geben, w\u00e4hrend das reduzierte\nB\u00fcrgereinkommen [reddito di cittadinanza, eine Transferleistung de facto vor allem\nf\u00fcr den S\u00fcden] zu gro\u00dfer Entt\u00e4uschung unter den W\u00e4hlern der F\u00fcnfsterne gef\u00fchrt\nhat. Und drittens darf man die Rolle der Medien nicht vergessen, die ein ganzes\nJahr lang viel mehr gegen die Cinque Stelle als gegen die Regierung als ganzes\ngeschossen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als w\u00fcrde das noch nicht reichen, hat Di Maio in der\nletzten Phase des Wahlkamps einen schweren Fehler begangen. Um seine\nUnabh\u00e4ngigkeit von Salvini zu demonstrieren, vollzog er eine Art Linksschwenk im\nSinne von Anpassung an die traditionelle Linke. Das hei\u00dft eine viel st\u00e4rker europ\u00e4istische\nHaltung, als sie die Bewegung bisher eingenommen hat. Daf\u00fcr war an den Urnen\nein hoher Preis zu bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist\nes angesichts der Wahlergebnisse zutreffend von einem Rechtsschwenk zu\nsprechen, wie es von den Medien getan wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da ist gro\u00dfe Vorsicht angezeigt. Wenn man in l\u00e4ngeren\nPerioden denkt, kann man sicher von einer Rechtsentwicklung sprechen. Aber das\nist kein Ereignis des letzten Jahres. Mit dem Niedergang der Parteien verliert\nsich der ideologische Charakter der Wahlen. Es wird gew\u00e4hlt, wer im jeweiligen\nMoment am meisten f\u00e4hig erscheint, die dr\u00e4ngenden Probleme zu l\u00f6sen \u2013 und das kann\njedes Mal anders aussehen. Das zentrale Problem f\u00fcr Italien ist die zw\u00f6lfj\u00e4hrige\nKrise, die andauernde Stagnation mit zwei intensiven Rezessionen. Es reicht\nsich zu vergegenw\u00e4rtigen, dass das Prokopfsozialprodukt noch immer 7 Prozentpunkte\nunter jenem von 2007 liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Teile der Lega-W\u00e4hler von 2019 haben 2014 f\u00fcr\nRenzi votiert, der in der EU Rambazamba versprochen hatte. Vor einem Jahr wurden\ndann die F\u00fcnfsterne gew\u00e4hlt. Wir sich das Wahlverhalten in einem oder auch in\ndrei Jahren darstellen wird, kann heute niemand voraussagen. Die Menschen suchen\nnach einem Ausweg aus der aktuellen Misere, der m\u00f6glichst schmerzlos ist. Darum\nhoffen sie auf Wahlen. Doch in diesem moderaten Rahmen entscheiden sie sich f\u00fcr\njene, die nicht nur am glaubw\u00fcrdigsten sind, sondern auch am wirkungsvollsten\nerscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen wie wenig der Begriff Rechtsschenk in\nder Lage ist die Situation zu fassen, k\u00f6nnen wir uns die Wahlergebnisse der\nletzten elf Jahre anschauen. 2008 erzielte die Rechtskoalition f\u00fcr den\nParlamentswahlen 46,8%. Gemeinsam mit den nichtkoalierten rechten Parteien\nkamen sie sogar auf 55,4%. 2013 erlebten sie einen Zusammenbruch: 29,2% f\u00fcr die\nKoalition und 31,8% insgesamt. 2018 steigerte sich die Rechtskoalition auf 37,0%\nund alle Rechten gemeinsam vereinigten 39,0% auf sich. Heuer haben die Parteien\nder ehemaligen Rechtskoalition aus Lega, Forza Italia und Fratelli d\u2019Italia wieder\n49,6% erzielt, w\u00e4hrend die offenen Neofaschisten \u2013 Casa Pound und Forza Nuova \u2013\njeweils 0,33% und 0,15% erreichten. Das zeigt \u00fcbriges wie instrumentell der antifaschistische\nAlarmismus der Eliten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend uns diese Daten die gro\u00dfe Mobilit\u00e4t der W\u00e4hler\nin den letzten Jahren demonstrieren, zeigen sie gleichzeitig, dass die\nZustimmung f\u00fcr die Rechte im Verh\u00e4ltnis zu 2008 gesunken ist. Doch damals gab\nes keine Aufregung, denn alles spielte sich im Rahmen des Bipolarismus ab, den\nviele f\u00fcr ewig hielten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was\nsind die Konsequenzen der Wahlen vom 26. Mai? Es wurde von vorgezogenen Wahlen gesprochen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment sind Neuwahlen m\u00f6glich, aber nicht sicher.\nNach der Wahl fanden die Regierungsparteien wieder mehr zusammen. Der\nZusammensto\u00df findet nicht zwischen Lega und M5S, sondern zwischen diesen\nParteien auf der einen Seite und der von Staatspr\u00e4sident Mattarella gef\u00fchrten\nKomponente statt, die wir als F\u00fcnfte Kolonne innerhalb der Regierung definieren.\nAu\u00dfenminister Moavero und vor allem Wirtschaftsminister Tria handelten von\nAnfang an als Vertreter des europ\u00e4istischen Blocks in der Exekutive. Zuletzt\nhat sich auch Premier Conte immer mehr der Linie Trias angen\u00e4hert.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte dieser in der Substanz vom Staatspr\u00e4sidenten\ngesteuerte Teil die Oberhand gewinnen, w\u00e4re das gleichbedeutend mit dem Sieg Br\u00fcssels\nund dem politischen Ende der gelbgr\u00fcnen Regierung. Aber das ist schwer\nvorstellbar. Alles entscheidet sich mit Tria. Wenn er zum R\u00fccktritt gezwungen wird,\ndann kann es mit der Regierung weitergehen. Dann\nwird es auch nicht zu Neuwahlen kommen. Aber\ner wird alles tun, um an der Macht zu bleiben und es ist Teil des schmutzigen Spiels,\ndass er sich als Troublemaker innerhalb der Regierung bet\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Salvini und Di Maio dieses Problem nicht l\u00f6sen,\ndann werden Neuwahlen im Herbst wahrscheinlich. Genau das will Matarella. Tats\u00e4chlich\nist es das oberste Ziel des Staatspr\u00e4sidenten, die geldgr\u00fcne Regierung zu Fall\nzu bringen. Dazu muss der schlie\u00dflich auch Salvini mittels des willf\u00e4hrigen\nTeils der Lega in den Griff bekommen. Dazu bieten sich die Gerichte an, die an\nentscheidenden Wendepunkten der Geschichte immer ins politische Leben der\nNation eingegriffen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nEU-Kommission bedroht Italien mit einem Verfahren wegen Vertragsverletzung. Wie\nwerden die Regierung und ihre Bestandteile darauf reagieren? Es scheint als\nw\u00fcrde Premier Conte nach einem Kompromiss suchen, doch auf welcher Basis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereits gesagt, ist Conte nun auf der Linie von Tria.\nF\u00fcr ihn ist ein Vertragsverletzungsverfahren das schlimmste aller \u00dcbel. Daher\nw\u00e4re um jeden Preis ein Ausgleich mit der EU zu suchen. Doch diese Position\nwird von der Lega und den F\u00fcnfsternen nicht geteilt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem sind nicht die geforderten \u00c4nderungen am\nlaufenden Budget, sondern das n\u00e4chste Budgetgesetz, das bis zum 15. Oktober\npr\u00e4sentiert werden muss. F\u00fcr Italien ist\ndie R\u00fcckkehr zur Austerit\u00e4t undenkbar, genauso wie neue Steuern (es dreht sich\nvor allem um die Erh\u00f6hung der Mehrwertsteuer) oder weitere Ausgabenk\u00fcrzungen. Raum\nf\u00fcr Kompromisse bietet sich in Wirklichkeit keiner. Der Kompromiss vom vergangenen\nDezember scheint ebenso wenig wiederholbar. Die wirtschaftliche Situation Italiens,\ndas auch im vergangenen Jahr kein Wachstum verzeichnete, erfordert eine expansive\nPolitik. Aber das kann die EU nicht akzeptieren. Ein Zusammensto\u00df scheint\nunvermeidlich. Die Position von Tria und Conte wird unter diesen Bedingungen\nnicht zu einem Kompromiss, sondern zu einer Kapitulation f\u00fchren. Vielleicht\nwissen die beiden das auch selbst, da weder Salvini noch Di Maio aufgeben k\u00f6nnen.\nLetztlich vertreten sie eine defaitistische Position.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die zwei gro\u00dfen Regierungsprojekte\nwaren das B\u00fcrgereinkommen (F\u00fcnfsterne) und die \u201cQuote 100\u201d bez\u00fcglich der\nPensionen (Lega). Dann noch die ebenfalls von der Lega betriebene Flattax. Was\nhat die Regierung dazu gemacht und was hat sie noch vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das B\u00fcrgereinkommen und die Quote 100 sind mit dem\nBudget 2018 in Kraft getreten. Aber beide Ma\u00dfnahmen wurden durch den Kompromiss\nmit der EU stark redimensioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend jedoch die Quote 100 300.000 Arbeitern durch\nfr\u00fchere Pensionierung zugute kommt, haben die Einschr\u00e4nkugen beim\nB\u00fcrgereinkommen seine Wirkung und die Zahl der Nutznie\u00dfer erheblich verkleinert\n\u2013 auch wenn es noch immer eine echte Ma\u00dfnahme gegen die Armut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Spiel steht nun das Mindestgehalt, das von den\nF\u00fcmfsternen betrieben und von den Unternehmern abgeleht wird, und die von der\nLega vorgeschlagene Flattax. Volkswirtschaftlich\ngesprochen wird das Budget also das zentrale Thema des Konflikts mit der EU\nsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Flattax sind zwei Dinge zu sagen: Trotz des Namens\nwird diese nicht flat sein. Das urspr\u00fcngliche Projekt\nder Lega (15% auf das Familieneinkommen f\u00fcr alle) ist eingemottet worden. Das\nw\u00e4re weder \u00f6konomisch noch sozial vertretbar. Zudem schreibt der Artikel 53 der\nVerfassung den progressiven Charakter des Steuersystems vor. Jetzt ist die Rede von einem einheitlichen Steuersatz\nvon 15% lediglich bis zu einem Familienbruttojahreseinkommen von 50.000 Euro\n(26.000 f\u00fcr Einzelhaushalte). Doch es gibt dazu kein\nausgearbeitetes Konzept, nur einzelne mediale Aussagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Parlament hat\ndie Ausgabe von Mini-Bots erlaubt. <\/strong><strong>Dagegen hat die EU-Kommission sofort Einspruch erhoben.\n<\/strong><strong>Handelt\nes sich tats\u00e4chlich um einen Schritt Richtung einer eigenen W\u00e4hrung? Oder ist\nes nur eine Drohgeb\u00e4rde gegen\u00fcber der Kommission? <\/strong><strong>Auch Tsipras\n&amp; Varoufakis hatten einen Bluff versucht \u2013 der in die Katastrophe f\u00fchrte. <\/strong><strong>Wird das in Italien\nanders laufen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es ein Bluff w\u00e4re, dann der d\u00fcmmstm\u00f6gliche, auch\nweil Br\u00fcssel das sehr schnell herausfinden w\u00fcrde. Tats\u00e4chlich wird die Emission der Minibots zum\nwirklichen Lackmustest f\u00fcr den politischen Willen der Regierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Formal w\u00fcrde es sich nicht um eine neue W\u00e4hrung handeln,\nsondern um etwas eigenartige Schuldverschreibungen, da sie weder verzinst w\u00e4ren\nnoch ein Ablaufdatum h\u00e4tten. Sie w\u00fcrden dazu dienen, die Begleichung der\nSchulden der \u00f6ffentlichen Hand zu beschleunigen. F\u00fcr den Staat br\u00e4chte das zwei\nVorteile: einerseits keine Zinsen zahlen zu m\u00fcssen und de facto neue Liquidit\u00e4t\nzu schaffen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also die Minibots funktionieren w\u00fcrden \u2013 und ich\ndenke, dass nichts dagegen spricht \u2013 k\u00f6nnen sie tats\u00e4chlich zu einer Art Parallelw\u00e4hrung\nwerden, nicht nur zur Ausgleich von Schulden und Guthaben zwischen Staat und\nprivaten Firmen, sondern in allen kommerziellen Transaktionen. Genau darum ist\ndie Frage so entscheidend. Wenn die Regierung diesen Weg einschl\u00e4gt, wird der\nZusammensto\u00df mit der EU unvermeidlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nF\u00fcnfsterne-Bewegung wird als linker Fl\u00fcgel der populistischen Regierung\nbetrachtet? Wie interpretieren Sie ihre Niederlage? Und welche Antworten haben die\nCinque Stelle darauf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, sie sind der linke Fl\u00fcgel der Regierung, aber sie\nsind zu konfus. Soziale Fragen k\u00f6nnen in die Partei zwar eindringen, bleiben\naber in der Substanz der neoliberalen Erz\u00e4hlung untergeordnet. Sie sind\nF\u00fcrsprecher der Demokratie und der Verfassung, was aber im Gegensatz zu den\nverr\u00fcckten Mechanismen der internen Funktionsweise steht. Im Gegensatz zur Lega\nvertreten sie oft zu internationalen Fragen vern\u00fcnftige Positionen, allerdings\nnicht ohne schlie\u00dflich doch zu einem \u00fcbergeordneten Atlantizismus\nzur\u00fcckzukehren. Zu jedem Populismus geh\u00f6rt ein Schuss Mehrdeutigkeit, aber das\nist zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Eben weil sie keine wirkliche Identit\u00e4t haben, f\u00e4llt\nes den Cinque Stelle sehr schwer ihre Niederlage zu reflektieren. Ich geh\u00f6re\nnicht zu jenen die denken, dass die M5S in den n\u00e4chsten Jahren von der\npolitischen Bildfl\u00e4che verschwinden werden, aber einige dr\u00e4ngende Fragen (Organisation,\ninterne Demokratie) k\u00f6nnen nicht mehr aufgeschoben werden. Eine wirkliche politische\nAntwort auf die Wahlniederlage ist nicht in Sicht. Hoffen wir, dass es nur eine\nFrage der Zeit ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nLega erscheint nun als gro\u00dfe Siegerin? Aber hat das Substanz? Ihr sozialer Block\nbeinhaltet auch die Industriebourgeoisie des Nordens. Ist es denkbar, dass\ndiese den Widerstand gegen die Kommission bis hin zur m\u00f6glichen Konsequenz des\nBruches f\u00fchrt? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist das \u00fcberhaupt das gr\u00f6\u00dfte Fragezeichen.\nDie Lega ist in wenigen Jahren von einer Kraft des Nordens, die zwischen\nAutonomie und Abspaltung oszillierte, zu einer nationalistischen Partei\ngeworden, die gar nicht anders kann als vor allem national zu sein. Ganz\noffensichtlich ist dieser Prozess aber noch nicht vollst\u00e4ndig vollzogen.<\/p>\n\n\n\n<p>In gewisser Hinsicht erscheint es oft als w\u00fcrden in\neiner Partei zwei koexistieren. Auf der einen Seite die nationalistische Salvini-Lega,\ndie in den letzten Jahren durch ihren kometenhaften Aufstieg bei Wahlen sehr\nstark geworden ist; auf der anderen Seite die nordistische Lega, die noch \u00fcber viele\nAktivisten und auch K\u00f6pfe verf\u00fcgt und die die Tradition und das Geld im R\u00fccken\nhat. Um das Gewicht dieser Komponente zu beurteilen, ist die Frage des \u201edifferenzierten\nRegionalismus\u201c erhellend. Dabei geht es darum, f\u00fcr den \u00e4rmeren S\u00fcden bestimmte wirtschaftliche\nRessourcen in den reicheren Norden zu lenken. Das Projekt wird derzeit von den\nF\u00fcnfsternen blockiert. Doch die Lega will daran festhalten und verweist dabei\nauf die von Mittelinks 2001 in die Verfassung aufgenommenen Passagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist offensichtlich, dass im Block der nordistischen\nLega, der auch Teile der Industriebourgeoisie aber nicht die Zentren der\nwirtschaftlichen Macht umfasst, eine Art De-facto-Europ\u00e4ismus herrscht. Das erkl\u00e4rt\nsich in erster Linie mit ihrer engen Einbindung in die deutschen\nProduktionsketten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie der Konflikt zwischen den zwei Leghen ausgehen\nwird, wissen wir nicht. Eines ist aber klar: wenn die salvinianische Lega zur alten\nLega Nord zur\u00fcckkehren sollte, dann w\u00fcrde sie sehr schnell sehr viel an\nZustimmung einb\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist\nein Austritt aus dem Euro von rechts vorstellbar?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das wird die Zukunft zeigen, aber ausgeschlossen haben\nwir es nie. Schon 2014 hat der alte Zusammenschluss der linken Anti-Euro-Kr\u00e4fte,\nder sich einen linken Austritt aus der Einheitsw\u00e4hrung zu Ziel gesetzt hatte\nund die Hegemonie der Lega auf diesem Feld bek\u00e4mpfen wollte, klar zum Ausdruck gebracht,\ndass auch ein rechter Austritt besser w\u00e4re als in der Euro-Falle gefangen zu\nbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich bringt diese Variante zahlreiche Probleme\nmit sich, doch ohne nationale und demokratische Souver\u00e4nit\u00e4t ist jeder soziale\nKampf zum Scheitern verurteilt, geschweige denn die Entwicklung einer\nsozialistischen Alternative.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo\nbleibt der Faktor einer italienischen Variante der Gelbwesten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er ist nicht zu sehen, weil es ihn schlicht nicht gibt.\nUnd es gibt ihn nicht, weil diejenigen sozialen Sektoren, die eine solche\nBewegung tragen k\u00f6nnten, derzeit noch ihre Hoffnung auf die Regierung setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>2012 in Sizilien und 2013 auf nationaler Ebene gab es\nmit der Bewegung der Forconi (Heu-, Mistgabel) einen Vorgeschmack auf das was\nf\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter Frankreich ersch\u00fcttern sollte. Die \u00c4hnlichkeiten sind\nfrappant: die soziale Zusammensetzung, die Verankerung an der Peripherie, die\nForm der Mobilisierung und auch die Herausbildung einer eigenen Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte die Regierung zur Austerit\u00e4t zur\u00fcckkehren,\nk\u00f6nnte sehr schnell eine solche Bewegung entstehen, insbesondere im S\u00fcden des Landes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und\nwie steht es mit der Linken, sowohl der traditionellen, globalistischen als\nauch mit Ihrem Versuch eine patriotische zu entwickeln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die globalistische Linke ist wirklich am Ende. Bei den\nEU-Wahlen hat die Liste \u201eLa Sinistra\u201c (Die Linke) miserable 1,7% erhalten,\nw\u00e4hrend vor f\u00fcnf Jahren als \u201eEin Anderes Europa mit Tsipras\u201c noch 4% erreichte.\nMehr noch als fr\u00fcher war diese Kandidatur ideenlos, au\u00dfer nat\u00fcrlich die Verteidigung\nder EU gegen den rechten Nationalismus. Antifaschistischen Alarm schreiend, der\nf\u00fcr die breite Masse der Bev\u00f6lkerung unverst\u00e4ndlich ist, spielten sie das Spiel\ndes Partito Democratico. Dieser konnte so mittels des Mechanismus des kleineren\n\u00dcbels (voto utile) die Stimmen jener einkassieren, die an den Alarm wirklich\nglaubten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die patriotische Linke hat gro\u00dfe Ideen, aber sie ist noch\nzu wenig geeinigt. Diese Differenzen zu \u00fcberwinden ist die unumg\u00e4ngliche\nBedingung f\u00fcr einen qualitativen Schritt zu einem glaubw\u00fcrdigen politischen\nSubjekt \u2013 eine politische Formation, die es versteht den Kampf gegen die Euro-Diktatur\nmit einer neuen sozialistischen Perspektive zu verbinden. Das ist eine\npolitische Operation, die in der konkreten Situation in Italien heute nur mit\neiner klaren Positionierung auf Seiten des populistischen Lagers m\u00f6glich ist \u2013\ndas ist die Position meiner Organisation P101.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm Langthaler<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Artikel wurde f\u00fcr <\/em><a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2019\/07\/euroexit-von-rechts\/\"><em>Makroskop <\/em><\/a><em>verfasst.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Leonardo Mazzei von der patriotischen Linken Italiens Leonardo Mazzei ist einer der Sprecher von Programma 101, einer politischen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2019\/06\/21\/minibots-um-die-austeritaet-auszuhebeln\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eMinibots, um die Austerit\u00e4t auszuhebeln\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2025,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":""},"categories":[1],"tags":[],"author_meta":{"display_name":"Wilhelm Langthaler","author_link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/author\/wilhelm\/"},"featured_img":"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/auswahl_minibots-300x261.jpeg","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/category\/home\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 7 Jahren ago","modified":"Updated 7 Jahren ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on 21. 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