{"id":459,"date":"2015-07-23T18:06:54","date_gmt":"2015-07-23T18:06:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=459"},"modified":"2015-07-24T06:50:28","modified_gmt":"2015-07-24T06:50:28","slug":"deutsche-griechen-und-deutsches-verstandnis-fur-okonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2015\/07\/23\/deutsche-griechen-und-deutsches-verstandnis-fur-okonomie\/","title":{"rendered":"&#8222;DEUTSCHE GRIECHEN&#8220; UND DEUTSCHES VERST\u00c4NDNIS F\u00dcR \u00d6KONOMIE"},"content":{"rendered":"<p><em> (Un-) Systematische Bemerkungen zu Griechenland-Nichtverstehern<\/em><\/p>\n<p>Bevor die Liberalen und sodann die Konservativen den Wert von <em>Political Correctness<\/em> f\u00fcr die Disziplinierung der Bev\u00f6lkerung entdeckten \u2013 die Altreaktion\u00e4re sind noch immer zu bl\u00f6d dazu \u2013 , gab es in den USA und auch in Frankreich den Ausdruck &#8222;wei\u00dfe Neger&#8220;. Gemeint waren jene \u00fcberangepassten Menschen dunkler Hautfarbe, die sich bem\u00fchten nur ja keinen Anschein der Solidarit\u00e4t mit ihren Genossen gleicher Herkunft aufzubringen. Sie wollten &#8222;integriert&#8220; sein in der herrschaftlichen wei\u00dfen Gesellschaft, und dazu mussten sie beweisen, dass sie \u00fcberangepasst waren.<\/p>\n<p>In einem vergleichbaren Sinn gebrauche ich nun die Wendung &#8222;deutsche Griechen&#8220;. Davon gibt es genug, denn es gibt immerhin auch viele Gewinner der derzeitig katastrophalen Situation. Und dar\u00fcber hinaus haben viele Griechen aus &#8222;guten Familien&#8220; in Deutschland und \u00d6sterreich studiert und dort die hegemoniale Ideologie eingesogen, vor allem, wenn sie \u00d6konomie studierten.<\/p>\n<p>Die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung in Bonn hat nun ein umfangreiches Buch ver\u00f6ffentlicht: <em>Die Krise in Griechenland<\/em>. Das wird zum gr\u00f6\u00dften Teil von solchen <em>deutschen Griechen<\/em> bestritten. Herausgegeben wird es allerdings von einem ehemaligen deutschen Botschafter in Griechenland: Man muss schlie\u00dflich vorsichtig sein; den Griechen kann man nicht trauen. Die schreiben u. U. tats\u00e4chlich etwas, was sie nicht sollen.<\/p>\n<p>Trotz des allzu offensichtlichen Zwecks und trotz dessen, dass auf den 546 Seiten ausgiebig das Blabla der deutschen Zeitungen wiederholt wird, ist es doch n\u00fctzlich, dieses Opus zu lesen. Es gibt auf vereinzelt gute Beitr\u00e4ge, z. B. jener von Korinna Sch\u00f6nh\u00e4rl \u00fcber fr\u00fchere F\u00e4lle von Staatsbankrott in Griechenland (182 \u2013 197). Und vor allem gibt es eine ganze Menge an Informationen und Daten, die man als Einzelheiten trotz allem hier findet. Wer wei\u00df schlie\u00dflich, dass bereits mit dem ersten Memorandum 2010 ein &#8222;unabh\u00e4ngiger Finanzstaatssekret\u00e4r&#8220; mit einer unk\u00fcndbaren f\u00fcnfj\u00e4hrigen Amtszeit eingesetzt wurde, also ein <em>de facto<\/em>-Finanzminister, der niemandem au\u00dfer nat\u00fcrlich dem Geist seiner Auftraggeber verantwortlich ist?<\/p>\n<p>Auf diese Weise findet man eine Menge von Einzel-Informationen und wird auch weiter geleitet, zu Daten aus internationalen Organisationen, die von gro\u00dfem Wert sind. Man sieht da etwa, dass der griechische Schuldenstand im Jahr 2000, vor der Einf\u00fchrung des Euro, 104,6 % des BIP betrug; aber auch 2007, im letzten Jahr vor der Finanzkrise, war er nur 107,2 %, ist also in dieser Zeit nur sehr geringf\u00fcgig gestiegen. Dann allerdings schoss er trotz eines Schuldenschnitts in die H\u00f6he, auf 177,2 % im Jahr 2014. Zu diesem &#8222;Schuldenschnitt &#8220; ist allerdings noch etwas zu sagen: Er war im Grund die Reduzierung der privaten Schulden auf einen Stand, der \u00fcber den damals (2012) auf dem Markt f\u00fcr die griechischen Papiere erh\u00e4ltlichen Werten lag. Er war im Wesentlichen eine \u00dcbernahme der privaten Schulden durch die \u00f6ffentlichen H\u00e4nde der anderen EU-Staaten zu einem Preis, der f\u00fcr die Privaten sehr g\u00fcnstig war.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu den Zahlen: Kann es etwas Aussagekr\u00e4ftigeres \u00fcber das Crash-Programm (&#8222;Sparen&#8220;) geben, als die Tatsache, dass in der Zeit der angeblichen Verschwendung die \u00f6ffentliche Schuld als Anteil am BIP kaum zunahm, dann aber in untragbare H\u00f6hen aufstieg?<\/p>\n<p>Doch es geht mir hier um etwas viel Grunds\u00e4tzlicheres. Im privaten Bereich, der in der Regel ja v\u00f6llig ausgeblendet wird, stieg der Schuldenstand im S\u00fcden enorm. Wenn man da n\u00e4her hinsieht, ist man vorerst etwas verwirrt. Ein Gro\u00dfteil der privaten Schulden wurden <em>investiert<\/em>. Das w\u00e4re doch genau das, was die \u00f6konomischen Lehr- und Traumb\u00fccher sich w\u00fcnschen. Aber man muss noch etwas genauer hinsehen. Diese &#8222;Investion&#8220; ging n\u00e4mlich in Spanien und Irland vor allem, fast ausschlie\u00dflich, in den Wohnbau. In Griechenland geschah dies auch, aber nicht ganz im selben Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Und damit sind wir beim Thema. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) benutzt Kategorien, die in Wirklichkeit oftmals unbrauchbar sind, insbesondere in Zeiten von Krisen. Wohnbau wird, nach dem Alltagsverst\u00e4ndnis, doch wohl am besten als Ankauf eines langlebigen Konsumguts zu betrachten sein. Allerdings ist jedes Gut, jede Ware, in einem System auch eine Investition, die Geld grunds\u00e4tzlich als Kapital betrachtet. welches Ertrag bringen muss. In einer bestimmten Perspektive hat dies also Sinn.<\/p>\n<p>Wenn man allerdings Wirtschaft immer vor allem als Realwirtschaft betrachtet, nichts sosehr als Anspr\u00fcche der Finanz-Oligarchie, dann werden sollche Kategorien nutzlos.<\/p>\n<p>Das mag als eine recht technische Er\u00f6rterung erscheinen. Da aber die VGR das empirische Um und Auf der \u00d6konomie ist, da sie im Grund die einzige Basis ist, auf der wir durch Daten gesichert diskutieren k\u00f6nnen, sit das von ganz basaler Bedeutung.<\/p>\n<p>Den kl\u00fcgeren Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnern in den Statistischen \u00c4mtern braucht man dies \u00fcbrigens nicht zu sagen. Die wissen \u00fcber die Defizienzen ihres Faches recht gut Bescheid. Aber der \u00d6ffentlichkeit werden die Ergebnisse dieser Sch\u00e4tzungen stets als Moses und die Propheten vermittelt. Das gilt nicht zuletzt auch f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der halb-offiziellen Wirtschaftsforschungs-Institute. In \u00d6sterreich ist das das WIFO. Man soll gar nicht mehr auf die Idee kommen, die Qualit\u00e4t, die Grundlage ihrer Aussagen, die oft genug nichts als neoliberale Ideologie sind, in Frage zu stellen.<\/p>\n<p>Auf die Beitr\u00e4ge in diesem Buch m\u00f6chte ich gesondert noch einmal zur\u00fcck kommen.<\/p>\n<ol start=\"23\">\n<li>Juli 2015<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Un-) Systematische Bemerkungen zu Griechenland-Nichtverstehern Bevor die Liberalen und sodann die Konservativen den Wert von Political Correctness f\u00fcr die Disziplinierung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2015\/07\/23\/deutsche-griechen-und-deutsches-verstandnis-fur-okonomie\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e&#8222;DEUTSCHE GRIECHEN&#8220; UND DEUTSCHES VERST\u00c4NDNIS F\u00dcR \u00d6KONOMIE\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-459","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-home"],"author_meta":{"display_name":"Albert Reiterer","author_link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/author\/albert\/"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/category\/home\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht 11\u00a0Jahren vor","modified":"Aktualisiert 11\u00a0Jahren vor"},"absolute_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht am 23. 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