{"id":591,"date":"2015-11-03T09:12:35","date_gmt":"2015-11-03T08:12:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=591"},"modified":"2017-02-20T01:13:55","modified_gmt":"2017-02-20T00:13:55","slug":"linke-okonomie-varoufakis-erklarungen-des-okonomischen-weltsystems-sind-ein-theoretisch-politischer-skandal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2015\/11\/03\/linke-okonomie-varoufakis-erklarungen-des-okonomischen-weltsystems-sind-ein-theoretisch-politischer-skandal\/","title":{"rendered":"LINKE \u00d6KONOMIE? Varoufakis Erkl\u00e4rungen des \u00f6konomischen Weltsystems sind ein theoretisch-politischer Skandal"},"content":{"rendered":"<p>Varoufakis wurde in Deutschland zum Star, nachdem er als griechischer Finanzminister ge\u00adscheitert und zur\u00fcck getreten war. Noch im Juli hat der <em>Spiegel<\/em> (25. Juli 2015) in Zusammen\u00adspiel mit anderen europ\u00e4ischen Medien (<em>Le Monde<\/em> etwa, 29. Juli 2015) versucht, ihn zu kriminalisieren. Diese europ\u00e4ische Mustermedien versuchten damit das schmutzige Spiel einiger erzreaktion\u00e4rer Griechen auf die europ\u00e4ische Ebene zu heben. Denn Varoufakis hatte, viel zu sp\u00e4t und mit ungeeigneten Mitteln, versucht, Vorsorge gegen die Erpressungen der EZB und Br\u00fcssels zu treffen. Wenn das kein Verbrechen ist!<\/p>\n<p>Zwei Monate sp\u00e4ter, liest sich das, wieder im Spiegel (Online, 8. Oktober 2015), deutlich anders. Jetzt wird Varoufakis sch\u00f6n langsam zum politischen Heros. Nun bekommt der eitle Professor das, was er schon in seiner Minister-Zeit mit einer skandal\u00f6sen <em>Home-Story<\/em> versucht hatte: pers\u00f6nliche Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Da kommt nun ein kleines B\u00fcchlein eben recht. Varoufakis erkl\u00e4rt seiner Tochter die Welt im Allgemeinen und die Wirtschaft im Besonderen. Im Stil eines F\u00fcrstenspiegels aus dem 18. Jahrhunderts, oder der Unterweisungen des F\u00e9nelon an seine Tochter, entwickelte er eine getragene Rhetorik mit sozialen R\u00fccksichten, und wie man halt heute so was in der oberen Mittelschicht heute zartf\u00fchlend macht.<\/p>\n<p>\u00dcber die Welt oder die \u00d6konomie wei\u00df man nach der Lekt\u00fcre nicht mehr, wohl aber \u00fcber Varoufakis. Und das ist auch eine Information. Denn er geh\u00f6rt inzwischen zu jener Gruppe von &#8222;Ex&#8220; (-Ministern und -Politiker), die sich Lafontaine gerade bem\u00fcht zu organisieren. Ob Lafontaine wohl dieses B\u00fcchlein gelesen hat? Wenn nicht, sollte er es unbedingt tun. Vielleicht \u00fcberlegt er sich seine Zusammenarbeit mit dem Griechen nochmals.<\/p>\n<p>Varoufakis steigt in sein Thema ein, indem er ziemlich genau Jared Diamond und dessen Erfolgsbuch (&#8222;Germs, Guns, and Steel&#8220;) vor zwei Jahrzehnten kopiert, in der wichtigen Frage: Warum Ungleichheit? Im Unterschied zu Diamond, der zwar verzerrt und einseitig schreibt in seinem Versuch, verst\u00e4ndlich zu sein, der sich aber doch halbwegs an den Stand seiner Disziplinen und der Arch\u00e4ologie h\u00e4lt, stimmt bei Varoufakis gar nichts. Nun mag es f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Weltwirtschaft einiger Ma\u00dfen gleichg\u00fcltig sein, wenn man da liest: &#8222;Die Sprache wurde vor 82.000 Jahren erfunden. Oder: In der nah\u00f6stlichen Bronzezeit wurde &#8222;Herr Nabuk&#8220; f\u00fcr seine Arbeitskraft mit Muschelgeld bezahlt. Usw. Aber es geht um die Haltung, einen solchen Unsinn frei und unbek\u00fcmmert hinzuschreiben,<\/p>\n<p>Vor allem aber: Der Mist hat einen <em>pr\u00e4zisen Sinn<\/em>. Er dient Herrn Varoufakis dazu zu behaup\u00adten: &#8222;Ich sage, [dass] die Menschen schon M\u00e4rkte hatten, als sie noch auf den B\u00e4umen leb\u00adten&#8220;. Mit anderen Worten: Mit den Alt\u00f6sterreichern Menger und Wieser etc., den Ideologen des altliberalen B\u00fcrgertums im 19. Jahrhundert, stellt Varoufakis moderne \u00f6konomische Kategorien als ewige und somit auch unver\u00e4nderliche Tatsachen hin. Friedrich von Hayek, der Begr\u00fcnder und h\u00e4rteste Vertreter des Neoliberalismus, ist da sehr viel weiter und fort\u00adschrittlicher als Varoufakis. Hayek hat n\u00e4mlich sehr gut begriffen, dass solche Institutionen, M\u00e4rkte, Preise, Kredit, etc., historische Entwicklungen im Prozess der Moderne, als Marxisten w\u00fcrden wir sagen, der Urspr\u00fcnglichen Akkumulation, waren. Von ihm trennt uns nicht sosehr die Diagnose, sondern die unumschr\u00e4nkt positive Beurteilung.<\/p>\n<p>Eigentlich reicht es, wenn man an dieser Stelle abbricht. Denn das ist nicht ein Fehltritt der Einleitung. Das geht so weiter. Der Sonnenuntergang ist ein &#8222;Gut&#8220;. &#8222;Die Menschen haben schon immer Schulden gemacht.&#8220; Faust setzt seine Seele als &#8222;Zins&#8220; gegen 20 Jahre gutes Leben ein. Der Imperialismus &#8222;bedarf keiner wirtschaftlichen Analyse&#8220;. Usf.<\/p>\n<p>Es ist eine wirklich widerw\u00e4rtige Lekt\u00fcre, die man sich da zumutet. Sogar einzelne gegl\u00fcckte Formulierungen (&#8222;Man muss [in dieser modernen Wirtschaft] \u00fcber die Verteilung des \u00dcberschusses schon entscheiden, bevor er produziert ist&#8220;) gehen in dieser geballten <em>mainstream<\/em>-Ideologie, stark gew\u00fcrzt mit historischem Unsinn, unter.<\/p>\n<p>Aber die &#8222;Links&#8220;liberalen und die EU-Turbos wissen, was sie an Varoufakis haben. Ihnen gef\u00e4llt er. So kommt er also morgen Abend (4. November) an die Wirtschafts-Universit\u00e4t zu einer Veranstaltung. Und diese Veranstaltung ist ausgebucht. Wenn man versp\u00e4tet davon Kenntnis erhielt, hat man auch keine Chance mehr, mit diesem Helden zu diskutieren. Nicht dass dies in der Sache was br\u00e4chte. Aber vielleicht k\u00f6nnte es vereinzelt doch der Einen oder dem Anderen die Augen \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Und das w\u00e4re der eigentliche Punkt. Menschen, die sich mit Varoufakis auf ein politisches B\u00fcndnis einlassen, wissen entweder nicht, wen sie da vor sich haben. Oder aber sie wissen es sehr wohl. Dann allerdings sind sie f\u00fcr ehrliche Militante nicht so sonderlich interessant.<\/p>\n<p>Zu welcher Kategorie geh\u00f6rt wohl Oskar Lafontaine?<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>November 2015<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Varufakis, Yanis<\/em> (2015)., Time for Change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkl\u00e4re. M\u00fcnchen: Hanser. (Aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Varoufakis wurde in Deutschland zum Star, nachdem er als griechischer Finanzminister ge\u00adscheitert und zur\u00fcck getreten war. Noch im Juli hat &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2015\/11\/03\/linke-okonomie-varoufakis-erklarungen-des-okonomischen-weltsystems-sind-ein-theoretisch-politischer-skandal\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLINKE \u00d6KONOMIE? 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