{"id":638,"date":"2015-12-18T16:23:04","date_gmt":"2015-12-18T15:23:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=638"},"modified":"2017-02-20T01:12:24","modified_gmt":"2017-02-20T00:12:24","slug":"die-wirtschaftlichen-folgen-der-finanzkrise-was-kostet-uns-der-euro-an-bip-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2015\/12\/18\/die-wirtschaftlichen-folgen-der-finanzkrise-was-kostet-uns-der-euro-an-bip-wachstum\/","title":{"rendered":"DIE WIRTSCHAFTLICHEN FOLGEN DER FINANZKRISE: Was kostet uns der Euro an BIP-Wachstum?"},"content":{"rendered":"<p><em>Was kostet uns der Euro an BIP-Wachstum?<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Potential Output&#8220; ist eine etwas zweifelhafte Gr\u00f6\u00dfe. Sie bezeichnet das, was <em>vielleicht<\/em> h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen, w\u00e4ren die Umst\u00e4nde f\u00fcr ein Wirtschaftsgebiet so gewesen, wie im Schnitt der \u00f6konomischen Umwelt und in der Erfahrung der letzten Jahre. Wenn also nach der realen Entwicklung und ihrem Unterschied zum Potenzial-Produkt als Folge der Finanzkrise gefragt wird, m\u00fcssen wir diesen h\u00f6chst hypothetischen Charakter des Referenz-Begriffs stets mit bedenken. Dazu kommt: Das Konzept vernachl\u00e4ssigt \u2013 bis auf die Durchschnitts-Bildung \u2013 , dass Konjunkturen und damit auch &#8222;normale&#8220; Abschw\u00fcnge eine absolut unvermeidliche Charakteristik von nicht geplanten Wirtschaften sind. Denn erst durch sie findet die reale Steuerung von Marktwirtschaften und die Anpassung der einzelwirtschaftlichen Pl\u00e4ne an die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen statt.<\/p>\n<p>Trotzdem hat dieser Begriff einen gewissen Nutzen in Zeiten von Krisen und tiefen Einbr\u00fc\u00adchen. Man darf seine Gr\u00f6\u00dfe nur nicht gar so wortw\u00f6rtlich nehmen, sondern als groben Hin\u00adweis. Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen L\u00e4ndern sind hoch interessant, wenn man nach den Wirkungen der Finanzkrise fragt (<em>Ball<\/em> 2014). Man k\u00f6nnte interpretierten: Die Abweichung vom Potenzial-Wachstum zeigt an, in welchem Ma\u00df einzelne Wirtschaften die Gegebenheiten nach 2008 gen\u00fctzt haben, und wieweit sie sein k\u00f6nnten, w\u00e4re diese Krise <em>und ihre politische &#8222;Bew\u00e4ltigung&#8220;<\/em> nicht aufgetreten.<\/p>\n<p>Sehen wir uns auf diese Frage hin die Tabelle der eben genannten Publikation an!<\/p>\n<p>Sie enth\u00e4lt neben den westlichen L\u00e4ndern (plus Ungarn und Tschechien) der EU die Schweiz sowie einige andere OECD-Staaten (USA, Australien, NZL, Canada). Auff\u00e4llt als erstes, dass die Nicht-EU-Wirtschaften durch die Bank besser dastehen, auch die USA, wo die Finanz\u00adkrise schlie\u00dflich ihren Ausgang nahm. Besonders auff\u00e4llig ist die Schweiz. Dieses Banken\u00adland, das doch besonders schwer getroffen sein m\u00fcsste, w\u00e4re die Finanzkrise &#8222;nur&#8220; eine Finanzkrise, weicht in die Gegenrichtung ab: Das reale Wachstum <em>\u00fcberschreitet<\/em> das Poten\u00adzial-Wachstum, so merkw\u00fcrdig dies klingt. (Es sei nochmals an den Zweifel am Begriff selbst erinnert!)<\/p>\n<p>Doch damit ist das Interesse an dieser Tabelle keineswegs ersch\u00f6pft. Deutschland weicht von seinem Potenzial auch nicht ab, ja w\u00fcrde, nach dieser Rechnung, 2015 tendenziell sogar einen &#8222;negativen output-gap&#8220; haben, also mehr produzieren, als man es nach langj\u00e4hriger Perfor\u00admanz erwarten k\u00f6nnte. Die Satelliten des seinerzeitigen DM-Blocks hingegen h\u00e4tten leichte Verluste zu verzeichnen: \u00d6sterreich, die BeNeLux-L\u00e4nder, auch Schweden. Wieder ist zu erinnern: Der Effekt einer gew\u00f6hnlichen Rezession ist hier nicht ber\u00fccksichtigt. Man kann also sagen: Wir k\u00f6nnen es nicht auf das Komma sagen, was uns diese W\u00e4hrungsunion wirklich kostet. Nach dieser Kennzahl h\u00e4tten diese L\u00e4nder des Zentrums wirtschaftlich nicht viel verloren, jedenfalls aber nichts gewonnen. Dasselbe gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr Frankreich, und das ist wichtig und interessant.<\/p>\n<p>Die eindeutigen Verlierer aber sind der Oliveng\u00fcrtel sowie Ungarn und Tschechien. Die anderen L\u00e4nder der Osterweiterung scheinen mit Ausnahme Polens nicht auf. \u00dcber Polen sp\u00e4ter noch ein Satz. \u2013 Griechenland, mit geringem Abstand Irland, Ungarn und Spanien, aber auch Portugal und Italien, doch auch Finnland und Gro\u00dfbritannien, also zwei L\u00e4nder des &#8222;Nordens&#8220;, haben schwer gelitten und leiden weiter.<\/p>\n<p>Polen scheint es gelungen zu sein, nach dem \u00fcberlangen Abstieg nach der &#8222;Wende&#8220; sich den letzten Turbulenzen etwas zu entziehen. Woran dies liegt, au\u00dfer daran, dass irgendwann selbst nach der tiefsten Krise eine gewisse Erholung kommen kann, die im \u00dcbrigen noch nichts \u00fcber den Vergleich des Niveaus von seinerzeit und heute sagt, ist hier nicht v\u00f6llig klar.<\/p>\n<p>Das Bild ist klar genug, auch wenn man sich nicht v\u00f6llig auf die schein-genauen Zahlen verlassen kann. &#8222;Deutschland&#8220; \u2013 wer immer dies ist, ist eine andere Sache \u2013 hat durch die Finanzkrise gewonnen. Zur gesteigerten politischen Macht mit dem Anschluss der DDR kam eine Restrukturierung der europ\u00e4ischen Wirtschaft, die dieses Land so unbestritten an der Spitze sieht, wie es seit wilhelminischen Zeiten nicht mehr der Fall war. Auch Frankreich ist relativ nun eindeutig zweite Klasse. \u00dcber die anderen Probleme, den Abbau der Demokratie, die langsame aber zielstrebige Zerst\u00f6rung des bisherigen Sozialstaats durch den Fiskalpakt, die zunehmend aggressive Au\u00dfenpolitik, sprechen wir hier nicht. Das deutsche Mitteleuropa, das Kriegsziel des Ersten Weltkriegs, ist nun Wirklichkeit.<\/p>\n<ol start=\"19\">\n<li>Dezember 2015<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Ball, Laurence<\/em> (2014), Long-term damage from the Great Recession in OECD countries. In: European Journal of Economics and Economic Policies 11, 149 \u2013 160.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was kostet uns der Euro an BIP-Wachstum? &#8222;Potential Output&#8220; ist eine etwas zweifelhafte Gr\u00f6\u00dfe. 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