{"id":651,"date":"2016-01-04T19:26:11","date_gmt":"2016-01-04T18:26:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=651"},"modified":"2017-02-20T01:11:34","modified_gmt":"2017-02-20T00:11:34","slug":"ein-sturm-im-deutschen-wasserglas-varoufakis-und-sein-plan-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/01\/04\/ein-sturm-im-deutschen-wasserglas-varoufakis-und-sein-plan-c\/","title":{"rendered":"Ein Sturm im deutschen Wasserglas. Varoufakis und sein &#8222;Plan C&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>[Vorbemerkung: Der urspr\u00fcngliche Artikel hat Kritik auf sich gezogen. Ich habe ihn ihn somit in einigen wenigen stilistischen Punkten ge\u00e4ndert]<\/em><\/p>\n<p>Varoufakis hat Blut geleckt. Ein halbes Jahr war er nicht nur Minister. Sein originelles Auftraten damals hat ihn in den Vordergrund gespielt, es hat ihn, wie es heute so stereotyp hei\u00dft: zur Ikone gemacht. Es war ja auch erfrischend, den Finanzminister auf einem Motorrad und in der Lederjacke zu sehen, mitten unter den flanellgrauen Marionetten des Finanz\u00adkapitals in ihren Uniformen, geistig wie auch in der Kleidung.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte wohl auch sein gr\u00f6\u00dftes Verdienst gewesen sein. Denn als Finanzminister in einer akuten Krisen-Situation war Varoufakis so unf\u00e4hig, dass es schon wieder schmerzte. Das w\u00fcrde an sich noch nicht gegen seine intellektuellen F\u00e4higkeiten sprechen. Nicht jeder Mensch muss ein guter Politiker sein, i. S. der F\u00e4higkeit zu organisieren und sein Ziel zu erreichen, selbst wenn er vielleicht ein guter Analytiker w\u00e4re. Aber bedauerlicher Weise trifft letzteres nicht zu auf Varoufakis. Und das ist das Problem.<\/p>\n<p>Tsipras hat seinen Freund in die W\u00fcste geschickt, als er seine 100 %-Kehrtwende vorberei\u00adtete. Seit damals wei\u00df Varoufakis nicht recht, wie er Aufmerksamkeit erregen soll. In Grie\u00adchenland will niemand mehr was von ihm wissen. Zu unstet und zu &#8222;erratisch&#8220; ist dieser &#8222;Marxist&#8220;. Bei der Abstimmung \u00fcber das dritte, das Tsipras&#8217;sche Memorandum, war er beim ersten Mal abwesend. Bei der zweiten Abstimmung stimmte er dagegen, und bei der dritten daf\u00fcr. Der eitle Professor wusste also eine Zeitland nicht, was er eigentlich machen sollte. Das zog sich noch bis in die unmittelbare Gegenwart.<\/p>\n<p>Und jetzt: Zuerst scheint er auf beim &#8222;Plan B&#8220; der Marke Lafontaine und Fassina. Nun ist ihm dies zu radikal. Jetzt versucht er einen &#8222;Plan C&#8220; zu verkaufen, der in Wirklichkeit aber nur der gescheiterte Plan A ist, die auf Grund gelaufene Politik der SYRIZA J\u00e4nner bis Juni. Aber er hofft offensichtlich, in Deutschland anzukommen. Dort hat die reformistische Linke panische Angst hat vor dem Vorwurf, sie w\u00fcrde einen deutschen &#8222;Sonderweg&#8220; anstreben. Und dort scheint er manchen aus der LINKEN ins Kalk\u00fcl zu passen. Es geht also weder um Varoufakis noch um Griechenland. Es geht um deutsche Politik. Mit diesem &#8222;Popstar der Politik&#8220; hoffen die Minister-Aspiranten offenbar auch, in das BoBo-Milieu der Gr\u00fcnen einzudringen.<\/p>\n<p>Das <em>Neue Deutschland<\/em> und sein Chefredakteur Tom Strohschneider dienen diesmal als Pfad\u00adfinder. Den hat ein Kollege \u2013 von wo? Von der <em>taz<\/em>, dem Zentralorgan der Gr\u00fcnen! \u2013 als &#8222;sehr gewandt&#8220; beschrieben. In Zusammensetzung mit dem Wort <em>Wende<\/em> fielen mir da noch andere W\u00f6rter ein&#8230;<\/p>\n<p>Worum geht es?<\/p>\n<p>Wie schon seit Jahren, murmelt Varoufakis d\u00fcster was von reaktion\u00e4rer und faschistischer Gefahr. Das Projekt EU d\u00fcrfe nicht in die Binsen gehen. Denn nur das sei ein Bollwerk gegen den Ultranationalismus, den Rassismus und schlie\u00dflich die R\u00fcckkehr der Neonazis. Daher m\u00fcsse man den Zerfall der EU verhindern. Er sch\u00e4mt sich nicht, bei Tsipras eine Anleihe zu nehmen: Man m\u00fcsse das retten, was man grunds\u00e4tzlich bek\u00e4mpfe, um noch Schlimmeres zu verhindern. Konkreter wird er nicht. Sein Vorschlag: Er m\u00f6chte von oben herab, nicht etwa von der Basis in den Nationalstaaten, eine neue &#8222;radikal-internationalistische Bewegung&#8220; aufbauen. Erst wenn auf \u00fcbernationaler Ebene diese gew\u00fcnschte Organisation steht, d\u00fcrfe es auch weiter unten eine Bewegung geben, d\u00fcrfen sich Leute anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Herrn Strohschneider, der das am 4. J\u00e4nner 2016 an prominenter Stelle im ND an\u00adpreist, ist dieses Projekt &#8222;anschlussf\u00e4hig&#8220;. Und er l\u00e4sst die Katze aus dem Sack: Er m\u00f6chte einen &#8222;historischen Kompromiss&#8220;. F\u00fcr manche der J\u00fcngeren ist dieser Begriff wahrscheinlich nicht mehr sehr aussagekr\u00e4ftig. Es war die Strategie, mit der sich Enrico Berlinguer Mitte und Ende der 1970er an die reaktion\u00e4ren und korrupten Christdemokraten in Italien anh\u00e4ngte. Er f\u00fchrte schlie\u00dflich zum Zerfall der KPI \u2013 da war Berlinguer freilich schon tot. D&#8217;Alema zerst\u00f6rte zielstrebig die Partei und wurde Au\u00dfenminister. In der weiteren Folge ergab das die reaktion\u00e4ren Politik in den 1990ern. Unaufl\u00f6sbar mit dem Namen Prodi verbunden, hat sie Italien weg vom Wachstumspfad und der europ\u00e4ischen \u00dcberholspur gebracht. Diese Politik hat das Land zum heutigen Problemfall gemacht. Erst der <em>Historische Kompromiss<\/em> machte Figuren wie Berlusconi m\u00f6glich. Aber auch Monti und Renzi wurzeln direkt im Historischen Kompromiss. Renzi pers\u00f6nlich kommt aus der Democrazia Cristiana .Sie sind die unmittelbaren Abk\u00f6mmlinge des Historischen Kompromisses.<\/p>\n<p>Das ist also die Politik, die den Hinterm\u00e4nnern und -frauen aus dem rechten Fl\u00fcgel der LINKEN so attraktiv erscheint. Denn es geht in diesem St\u00fcrmchen nicht um irgend einen Herrn Strohschneider. Der Schatten des Gregor Gysi w\u00e4chst riesengro\u00df \u00fcber dieser Intrige des Yannis Varoufakis.<\/p>\n<p>Varoufaki&#8217;sThesen haben sich nicht ge\u00e4ndert, seit er sie in Zagreb einer staunenden \u00d6ffentlichkeit vortrug. Auch die Version, welche die spanischen Medien <em>El Diario<\/em> und <em>Canarias Ahora<\/em> zwei Tage vorher ver\u00f6ffentlichten, unterscheiden sich um keinen Deut davon. Es ist kaum notwendig, hier lange herum zu polemisieren.<\/p>\n<p>Aber eine gewisse au\u00dfergriechische \u00d6ffentlichkeit hat den Ex-Finanzminister nun entdeckt, da er nicht mehr aktiver Politiker ist. Es ist wohl kaum das an Gustav Gr\u00fcndgens und seinen Mephisto erinnernde Gesicht, das den &#8222;Stern&#8220; dazu bringt, ein richtiges Photo-Feuille\u00adton des Ex-Politikers zu bringen. Obwohl: Auch das soll man in einer Zeit nicht vernachl\u00e4s\u00adsigen, wo Inhalte nur zu gerne hinter einer originellen und f\u00fcr viele attraktive Erscheinung versteckt werden. Aber es d\u00fcrfte doch um was Anderes gehen: Die Propagandisten des EU-Imperiums suchen nach einer Gestalt, welche ihre Inhalte an Menschen verkaufen kann. Und dazu ist Varoufakis bestens geeignet. Immer \u00f6fter erscheinen kurze Schriften von ihm ins Deutsche \u00fcbersetzt, die in einem zeitgem\u00e4\u00dfn Stil &#8211; wer den mag &#8211; seine Sicht verbreiten. Die Weltherrschaft der USA und ihre katastrophalen Folgen (im &#8222;Globalen Minotaurus&#8220;) \u2013 wer will da schon widersprechen. Dabei \u00fcbersehen sie aber die Aussagen, die dabei mit transportiert werden. Oder vielmehr: Sie \u00fcbersehen sie keinswegs. Sie w\u00fcnschen sie. Es ist eine Rechtfertigung f\u00fcr sie: Der B\u00f6sewicht der Eurogruppe muss doch was Gef\u00e4hrliches sagen, wenn ihn Sch\u00e4uble und Dijsselbloem gar so hassen. \u2013 Und das ist der Grund, warum ihn die deutschen rechten LINKEN so brauchbar finden.<\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt in diesaer Affaire ist ein Rat an die deutschen Genossinnen und Genossen. Einige von ihnen haben etwas aufgescheucht auf die Ank\u00fcndigungen des Griechen reagiert. Das ist ganz unn\u00f6tig. Aber gar nicht belanglos sind die Figuren dahinter, auf gut bundesdeutsch: die Strippenzieher. Sie sind offenbar auch bereit sind, jene Partei, welche vielleicht nicht mehr ganz nach ihrer Pfeife tanzen will, so zu zerst\u00f6ren, wie die rechten &#8222;Linken&#8220; in Italien sseinerzeit ihre Partei zerst\u00f6rt haben. Varoufakis ist mit seinem Plan C = Anicht wirklich eine Gefahr. Wenn es eine Gefahr gibt, dann ist es eine parteiinterne Intrige eines alternden Politikers der LINKEN und seines zahlreichen Gefolges. Auf die sollten die Genossen in Berlin achten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Vorbemerkung: Der urspr\u00fcngliche Artikel hat Kritik auf sich gezogen. Ich habe ihn ihn somit in einigen wenigen stilistischen Punkten ge\u00e4ndert] &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/01\/04\/ein-sturm-im-deutschen-wasserglas-varoufakis-und-sein-plan-c\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEin Sturm im deutschen Wasserglas. 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