{"id":686,"date":"2016-02-12T15:23:34","date_gmt":"2016-02-12T14:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=686"},"modified":"2017-02-20T01:11:17","modified_gmt":"2017-02-20T00:11:17","slug":"krise-der-weltwirtschaft-erneute-eurokrise-ein-plan-b-fur-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/02\/12\/krise-der-weltwirtschaft-erneute-eurokrise-ein-plan-b-fur-europa\/","title":{"rendered":"Krise der Weltwirtschaft, erneute Eurokrise: Ein Plan B f\u00fcr Europa?"},"content":{"rendered":"<p>Von <em>Klaus Dr\u00e4ger<\/em><\/p>\n<p>Die \u201aWeltwirtschaft\u2019 steht vor d\u00fcsteren Zeiten \u2013 so das Fazit vieler Auguren auf dem Eliten-Forum von Davos 2016. Der sinkende \u00d6lpreis, der Verfall anderer Rohstoffpreise, das abfla\u00adchende Wachstum in China \u2013 das ist (vordergr\u00fcndig) der Stoff, den der Kapitalismus der \u201aglobalen Turbulenz\u2019<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> zu verdauen hat. Dies dr\u00fcckt auf die Einnahmen der sich industrialisie\u00adrenden Schwellenl\u00e4nder inklusive Russland. Es l\u00e4sst dort sowohl private wie staatliche Schul\u00adden explodieren, und d\u00e4mpft k\u00fcnftig u.a. wohl auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen des \u201aExportvizeweltmeisters Deutschland\u2019. Nerv\u00f6se B\u00f6rsen, Absturz der Kurse auf Raten \u2013 das erinnert viele \u201aAnalysten\u2019 an das Vorspiel zur \u201aGro\u00dfen Rezession\u2019 2007\/2009.<\/p>\n<p><strong>7 Jahre Stagnation und die Folgen<\/strong><\/p>\n<p>Wie steht es um die stets von IWF, EU-Kommission etc. beschworene \u201awirtschaftliche Erho\u00adlung\u2019 seither? Ende 2015 laut IWF: das inflationsbereinigte Pro-Kopf-Einkommen in nationa\u00adler W\u00e4hrung war in 11 von 20 der untersuchten \u201awestlichen\u2019 L\u00e4nder niedriger als zu besseren Zeiten vor Einbruch der Krise in 2008.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Sogar in Deutschland als dem Land mit dem h\u00f6chsten Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens wuchs es 2008 \u2013 Ende 2015 nur noch um 0,8 Prozent j\u00e4hrlich. Japan schaffte w\u00e4hrend seiner zwei \u201averlorenen Jahrzehnte\u2019 von Deflation\/Stagnation 1990 bis 2010 immerhin diesbez\u00fcglich noch ein j\u00e4hrliches Wachstum von 1 Prozent. Kurzum \u2013 es gab seit 2008 keine reale wirtschaftliche Erholung in den L\u00e4ndern des \u201aWestens\u2019. Son\u00addern im Durchschnitt Stagnation, und sogar vertiefte Krise in den wirtschaftlich schw\u00e4cheren L\u00e4ndern.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>\u201eDie heutige Lage ist schlimmer als 2007\u201c, verk\u00fcndete der fr\u00fchere Chefvolkswirt der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, die \u201aZentralbank der Zentralbanken\u2019) <em>William White<\/em> in Davos.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Nach der Pleite von Lehman Brothers seien die Schwellenl\u00e4nder (emerging markets) stabil geblieben und damit Teil der L\u00f6sung der Krise gewesen. Nun seien auch sie Teil des Problems eines immer instabiler werdenden globalen Finanzsystems.<\/p>\n<p>Nullzinspolitik und geldpolitische Lockerung (QE, quantitative easing) der Zentralbanken der reichen Industriel\u00e4nder h\u00e4tten in einer Welt des freien Kapitalverkehrs zu massiver Kreditauf\u00adnahme in Dollar in Ostasien und weiteren Schwellenl\u00e4ndern gef\u00fchrt. Und damit abermals Spekulationsblasen angetrieben. Nun seien \u00f6ffentliche und private Schulden zusammen genommen in den Schwellenl\u00e4ndern auf 185 Prozent des BIP und im OECD-Raum auf 265 Prozent des BIP angestiegen. Wenn die Blasen abermals platzten, stehe eine harte Landung mit neuen Bankenkrisen bevor.<\/p>\n<p>EU-Banken h\u00e4tten bereits 1 Billion Dollar notleidender Kredite zugegeben, seien durch ihren Kapitalexport in die Schwellenl\u00e4nder nochmals krisenanf\u00e4lliger geworden, und h\u00e4tten verdeckte faule Kredite von vorher wohl vertuscht. Das europ\u00e4ische Bankensystem m\u00fcsse im Fall einer abermaligen globalen Rezession in einem bislang unvorstellbaren Ausma\u00df re-kapitalisiert werden.<\/p>\n<p>Dies ergibt ein insgesamt d\u00fcsteres Szenario: Weltwirtschaftskrise, Finanzkrise, Banken\u00adkollaps, Eurokrise \u2013 alles kommt erneut zusammen. Die \u201amakro\u00f6konomische Munition\u2019 zum Gegensteuern ist durch vormalige Bankenrettung, lockere Geldpolitik etc. aber bereits weitgehend verpulvert worden.<\/p>\n<p><strong>\u201ePlan B\u201c f\u00fcr Europa<\/strong><\/p>\n<p>Bereits seit 2011 sah <em>Oskar Lafontaine<\/em> \u201edas Ende des Euro kommen\u201c<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Seine und \u00e4hnliche Kritiken von <em>Heiner Flassbeck<\/em> und anderen sind bekannt. Stichworte: verfehlte Banken\u00adrettung, dadurch steigende \u00f6ffentliche Verschuldung, Austerit\u00e4tspolitik, die alles schlimmer macht; eine ohnehin falsch konstruierte W\u00e4hrungsunion mit dem Ergebnis, dass L\u00f6hne, real\u00adwirtschaftliche Entwicklung, Leistungsbilanzen etc. im Euroraum immer weiter auseinander driften. Das durch den Europluspakt und den Fiskalvertrag nochmals versch\u00e4rfte Euroregime zwingt vor allem L\u00e4nder mit Leistungsbilanzdefiziten zu einer Politik der \u201ainneren Abwer\u00adtung\u2019 (Lohnk\u00fcrzungen, Sozialabbau usw.), um angeblich \u201ainternationale Wettbewerbsf\u00e4hig\u00adkeit\u2019 zur\u00fcck zu gewinnen. Dass dies so nicht funktioniert, haben die letzten Jahre gezeigt: Verarmung gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung, weitere De-Industrialisierung und Anstieg der Gesamtverschuldung der \u00f6ffentlichen Haushalte vor allem in den L\u00e4ndern S\u00fcdeuropas, aber nicht nur dort. Nun kommen die Risiken einer erneuten Wirtschafts-, Finanz- und Eurokrise hinzu.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Diktatpolitik der EU gegen\u00fcber der von Syriza gef\u00fchrten Regierung in Griechenland lancierten <em>Oskar Lafontaine<\/em>, <em>Jean Luc M\u00e9lenchon<\/em> und andere eine \u201ePlan B\u201c-Initiative, die in Paris am 23.\/24.1.2016 stattfand. Diese Tagung diskutierte vor allem, ob der Euro durch ein reformiertes Europ\u00e4isches W\u00e4hrungssystem (EWS) abgel\u00f6st werden solle.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Die W\u00e4hrungsunion werde \u00fcber kurz oder lang zerbrechen, weil die durch das Euroregime verursachten wirtschaftlichen und sozialen Spannungen auf Dauer nicht von den vom deutschen Kapital und seiner Regierung dominierten L\u00e4ndern des europ\u00e4ischen S\u00fcdens und anderen ertragen werden k\u00f6nnten \u2013 so die Analyse.<\/p>\n<p>Um eine chaotische Aufl\u00f6sung der Eurozone zu verhindern, wird ein EWS als \u201aeurop\u00e4ische Auffangl\u00f6sung\u2019 vorgeschlagen. Dabei k\u00f6nne man auf die Erfahrungen des von 1979 bis zum Start des Euro 1999 bestehenden EWS zur\u00fcckgreifen. Also auf w\u00e4hrungspolitische Instru\u00admente, die in der Vergangenheit einigerma\u00dfen funktioniert haben. Das EWS w\u00e4re ein System, in dem Auf- und Abwertungen der ihm angeschlossenen W\u00e4hrungen politisch zwischen den Regierungen verhandelt w\u00fcrden, und je nach Bedarf angepasst werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den \u00f6ffentlichen Diskurs ist das m. E. erstmal vern\u00fcnftig. So kann sich die EU- und euro\u00adkritische Linke als Kraft darstellen, die in scharfer Abgrenzung zu den Rechtspopulisten eine <strong><em>europ\u00e4ische <\/em><\/strong>L\u00f6sung will, die Probleme vielleicht besser anpackt und demokratische Volks\u00adsouver\u00e4nit\u00e4t sch\u00fctzt, als das derzeitige autorit\u00e4re Euroregime mit Deutschland als Zucht\u00admeister Europas.<\/p>\n<p>Der linke italienische \u00d6konom <em>Emiliano Brancaccio<\/em> schlug in Paris vor, ein EWS u.a. durch Kapitalverkehrskontrollen abzusichern, sowie zus\u00e4tzlich selektive protektionistische Ma\u00df\u00adnahmen zuzulassen (um z.B. Re-Industrialisierungs-Strategien in den europ\u00e4ischen S\u00fcdl\u00e4n\u00addern zu unterst\u00fctzen). Auch dies erscheint mir vern\u00fcnftig, und steht dann im Konflikt mit den EU-Binnenmarktregeln.<\/p>\n<p>Interessanterweise war es der Rat der Eurogruppe, der 2013 die Einf\u00fchrung von Kapitalver\u00adkehrskontrollen in Zypern durchsetzte &#8211; nachdem der neue konservative Pr\u00e4sident <em>Anastasi\u00adadis<\/em> dort die Auflagen der Troika f\u00fcr ein \u201aRettungsprogramm\u2019 akzeptiert hatte. In diesem Fall ging es ja nicht um \u201aunser\u2019 Geld &#8211; d.h. von Banken der EU-Kernl\u00e4nder &#8211; sondern von Anle\u00adgern aus Russland, Gro\u00dfbritannien und dem Nahen Osten. Sie sollten es nicht abziehen k\u00f6nnen und wurden voll dem Schuldenschnitt unterworfen. Die EU-Eliten sind somit durchaus in der Lage, \u201alinke\u2019 Instrumente wie Kapitalverkehrskontrollen anzuwenden &#8211;  sofern dies nicht die Interessen \u201aihrer\u2019 Finanzkapitale ber\u00fchrt. Wie ist es umgekehrt, wenn eine \u201alinke Regierung\u2019 die Finanz\u00adindustrie der EU-Kernl\u00e4nder zur Verantwortung zwingen wollte?<\/p>\n<p><strong>Ein neues EWS \u2013 und alles wird gut? <\/strong><\/p>\n<p>So einfach liegen die Dinge wohl auch nicht.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Erinnern wir uns an Frankreich 1981: Mitterand hatte die Pr\u00e4sidentschaftswahl gewonnen mit einem Programm f\u00fcr Vollbesch\u00e4ftigung, Ver\u00adstaatlichung der Banken und einiger gro\u00dfer Unternehmen, f\u00fcr Re-Industrialisierung, Absen\u00adkung des Renteneintrittsalters und einer Einkommenspolitik f\u00fcr die unteren Schichten zur Belebung der Binnenwirtschaft.<\/p>\n<p>Dies geschah in einem internationalen Umfeld, wo Ronald Reagan US-Pr\u00e4sident wurde, US-Zentralbankchef Paul Volcker den Leitzins drastisch erh\u00f6hte (\u201aVolcker-Schock\u2019), die Bundes\u00adbank nachzog und der Rest der EWG auf Bek\u00e4mpfung der Inflation gepolt war. Frankreich h\u00e4tte eine deutliche Abwertung des Franc um 20 Prozent ben\u00f6tigt, um diese Strategie der Sozialisten wirksam werden zu lassen. Der damalige Industrieminister Jean Pierre Chev\u00e8ne\u00adment verlangte den Austritt Frankreichs aus dem EWS und selektive protektionistische Ma\u00df\u00adnahmen, um die Re-Industrialisierungsma\u00dfnahmen und das Vollbesch\u00e4ftigungsprogramm abzusichern.<\/p>\n<p>Mitterand versuchte vergeblich, den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) davon zu \u00fcberzeugen, mit Frankreich zusammen eine halbwegs keynesianische Strate\u00adgie f\u00fcr Vollbesch\u00e4ftigung in Europa zu vereinbaren. Nach einigen mickrigen Abwertungen des Franc und ebensolchen Aufwertungen der DM 1981 \u2013 1983 entschied sich die franz\u00f6si\u00adsche Linksregierung zu einem radikalen Umsteuern. Der Franc sollte nach dem Vorbild der DM zur \u201aHartw\u00e4hrung\u2019 ert\u00fcchtigt werden, unter Jacques Delors wurde der \u201a<em>tournant de la rigeur\u2019<\/em> (Austerit\u00e4tspolitik) proklamiert, und damit das urspr\u00fcngliche Programm der Sozia\u00adlisten aufgegeben. Dies alles, um der \u201aeurop\u00e4ischen Integration\u2019 zu dienen. Die Sozialisten wurden dann bis 1993 in mehreren Stufen von ihren W\u00e4hlerInnen hart abgestraft.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>\u00c4hnlich die Fragen aus der ersten \u201aGriechenlandkrise\u2019 2010\/2011: ein von vielen \u00d6konomen gesch\u00e4tzter Abwertungsbedarf von 30 \u2013 50 Prozent. Das k\u00f6nnte von einem neuen EWS nicht aufgefangen werden. Insofern: ein erneuertes EWS propagieren &#8211; ja. Aber reale und absehbare weitere Krisenentwicklungen (siehe oben) k\u00f6nnten auch dazu f\u00fchren, dass vor allem von \u201aLinksb\u00fcndnissen\u2019 gef\u00fchrte EU-L\u00e4nder daraus ausscheren m\u00fcssten. Sofern sie ihr Programm umsetzen wollten, mit dem sie demokratische Wahlen gewannen.<\/p>\n<p>Nostalgie gegen\u00fcber dem \u201aalten EWS\u2019 halte ich f\u00fcr unbegr\u00fcndet. Es war hierarchisch struk\u00adturiert (im wirklichen Leben, nicht in der \u201aModell-Theorie\u2019). Die DM als harte W\u00e4hrung diente als \u201aAnker\u2019. D.h. alle Teilnehmerl\u00e4nder sollten versuchen, ihre W\u00e4hrung in Richtung der DM \u201ah\u00e4rter\u2019 zu machen, um von den weiteren in die engeren \u201aSchwankungs-Bandbreiten\u2019 vorzudringen. Im politischen Klima der 1980er und 1990er, wo \u201aInflationsbek\u00e4mpfung\u2019 das oberste Ziel war, ist es m.E. nicht verwunderlich, dass im alten EWS Abwertungen einzelner EG-L\u00e4nder dort nicht zu einem heimischen Inflationsschub f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Das alte EWS war in dieser Hinsicht in der Praxis \u201aasymmetrisch\u2019 angelegt: \u201aAnpassungslas\u00adten\u2019 hatten vor allem die \u201aSchwachw\u00e4hrungsl\u00e4nder\u2019 (z.B. Italien, Spanien, Portugal usw.) zu tragen, die sich immer wieder an den \u201aDM-Standard heranrobben\u2019 (Tietmeyer, damals Bundesbankchef) mussten.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Sie wurden von der deutschen ordo-liberalen Orthodoxie im Vorlauf zur W\u00e4hrungsunion als lasziver \u201aClub Med\u2019 gebrandmarkt, den man auf keinen Fall in die WWU hereinlassen d\u00fcrfe.<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Als dann mit dem Vertrag von Maastricht Kurs auf die W\u00e4hrungsunion genommen und des\u00adhalb weitgehend auf Auf- und Abwertungen verzichtet wurde, konnte ein gewisser George Soros 1992\/93 mit spekulativen Attacken die Bank of England in die Knie zwingen. Gro\u00df\u00adbritannien und Italien schieden aus dem EWS aus, die \u201aBandbreiten\u2019 wurden f\u00fcr alle auf 15 Prozent festgesetzt (was schon eher \u201aflexiblen Wechselkursen\u2019 entspricht). Das alte EWS &#8211; eine \u201aErfolgsgeschichte\u2019? Seine historische Bilanz ist eher \u201adurchwachsen\u2019.<\/p>\n<p><strong>Zu Nutzen und Grenzen von \u201aModell-Debatten\u2019<\/strong><\/p>\n<p>Glauben die auf der Pariser Plan B Konferenz versammelten Kr\u00e4fte daran, es lie\u00dfe sich eine europ\u00e4ische oder nationale Massenbewegung f\u00fcr ein \u201aneues EWS\u2019 erzeugen? Vermutlich nicht. F\u00fcr Erwerbslose, Arme, ArbeitnehmerInnen  und selbst die \u201aMittelschichten\u2019 sind Fragen nach einem anderen W\u00e4hrungsregime in Europa allein zu komplex und von ihrer Lebenswirklichkeit soweit entfernt, dass sie solche \u201aAlternativen\u2019 bestenfalls in den Grundz\u00fcgen (und eher auf einer \u201asozialen Werteebene\u2019) nachvollziehen und bewerten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Antworten zu geben auf Fragen, die den \u201a90-Prozent\u2019 auf den N\u00e4geln brennen: soziale Sicher\u00adheit, \u00f6kologischer und sozialer Umbau\/nachhaltige Entwicklung, Demokratie, Geopolitik des Westens\/Fl\u00fcchtlingskrise etc., Erhaltung des Friedens usw. &#8211; auch diese Themen wurden in Paris durchaus diskutiert. Alternative Vorschl\u00e4ge zum existierenden w\u00e4hrungspolitischen Regime in der EU sind m.E. ein notwendiger Mosaikstein in diesem Rahmen. Aber das reicht bei weitem nicht hin, um linke gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderungsphantasie (und erst recht \u201aBewegungen\u2019) zu befl\u00fcgeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Klaus Dr\u00e4ger ist freier Autor in K\u00f6ln und Mitglied des Beirats der Zeitschrift \u201aZ\u2018 \u2013 Marxistische Erneuerung.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Siehe Robert Brenner: The Economics of Global Turbulence: The Advanced Capitalist Economies from Long Boom to Long Downturn, 1945-2005, London, Verso, 2006. Seine zusammenfassende Einf\u00fchrung dazu von 2009 hier: http:\/\/www.sscnet.ucla.edu\/issr\/cstch\/papers\/BrennerCrisisTodayOctober2009.pdf<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> In weiteren f\u00fcnf L\u00e4ndern \u2013 \u00d6sterreich, Schweiz, Island, Irland und Gro\u00dfbritannien), war es nur marginal h\u00f6her (0,05 % in \u00d6sterreich bis 0,3 % in Irland).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Siehe Ha.-Joon Chang: Don\u00b4t blame China for these global economic jitters; The Guardian, 21.01.2016<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> World faces wave of epic debt defaults, fears central bank veteran; The Telegraph UK, 19.01.2016<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Lafontaine-Interview auf Spiegel-online vom 13.12.2011; http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/linke-spitzenpolitiker-lafontaine-sieht-ende-des-euro-kommen-a-803229.html<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe Martin H\u00f6pner: Voran in ein erneuertes Europ\u00e4isches W\u00e4hrungssystem \u2013 und alles wird gut? http:\/\u00ad\/www.flassbeck-economics.de\/voran-in-ein-erneuertes-europaeisches-waehrungssystem-und-alles-wird-gut\/<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Martin H\u00f6ppner, der dieses Modell propagiert und zum alten EWS eine faktenreiche empirische Studie vorgelegt hat, behauptet dies auch nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Eine m.E. profunde Analyse dieser Epoche bieten Serge Halimi, Jonathan Michie und Seumas Milne: The Mitterand Experience; in: J. Michie and J. Grieve-Smith (eds): Unemployment in Europe, London, Academic Press, 1994. Siehe auch den Beitrag von Jonah Birch hier: https:\/\/www.jacobinmag.com\/2015\/08\/francois-mitterrand-socialist-party-common-program-communist-pcf-1981-elections-austerity\/<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. z.B. Heinz-Peter Spahn: Die Krise des EWS und die br\u00fcchigen Grundlagen der Leitw\u00e4hrungsordnung; in: Claus Thomasberger (Hg.): Europ\u00e4ische Geldpolitik zwischen Marktzw\u00e4ngen und neuen institutionellen Regelungen, Marburg 1995; S. 171 &#8211; 199<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Das war damals schon der Vorlauf zur j\u00fcngeren Propaganda von den \u201afaulen Griechen\u2019, den \u201aM\u00fc\u00dfigg\u00e4ngern\u2019 der EU-S\u00fcdl\u00e4nder, und den korrupten, vom Staatssozialismus verdorbenen Osteurop\u00e4ern. Deutschland und die \u201aNordeurop\u00e4er\u2019 sind demgegen\u00fcber \u201arechtschaffen\u2019 und \u201aarbeiten hart\u2019 \u2013 was jede vergleichende Statistik widerlegt. Die Manipulationen der Deutschen Bank- sie ist deshalb mit Milliardenbetr\u00e4gen vor diversen Gerichten konfrontiert \u2013 sie z\u00e4hlen nicht. Die Zeche sollen ihre Besch\u00e4ftigten durch Personalabbau begleichen \u2013 wie immer. Das versch\u00e4rfte Euroregime produziert seinen eigenen Ausgrenzungsmechanismus. Es hetzt Nationen und Bev\u00f6lkerungsgruppen gegeneinander auf, und de-legitimiert somit selbst die von ihm propagierte \u201aEuropa-Idee\u2019 von \u201aEinheit in der Vielheit\u2019 und einer immer enger zusammenwachsenden \u201aUnion\u2019. Vielleicht ist diese \u201akulturelle\u2019 Komponente der Eurokrise noch wichtiger als die eigentlich \u00f6konomische.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Klaus Dr\u00e4ger Die \u201aWeltwirtschaft\u2019 steht vor d\u00fcsteren Zeiten \u2013 so das Fazit vieler Auguren auf dem Eliten-Forum von Davos &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/02\/12\/krise-der-weltwirtschaft-erneute-eurokrise-ein-plan-b-fur-europa\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKrise der Weltwirtschaft, erneute Eurokrise: Ein Plan B f\u00fcr Europa?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":""},"categories":[1],"tags":[],"author_meta":{"display_name":"Albert Reiterer","author_link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/author\/albert\/"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/category\/home\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 10 Jahren ago","modified":"Updated 9 Jahren ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on 12. 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