{"id":812,"date":"2016-06-26T18:23:57","date_gmt":"2016-06-26T18:23:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=812"},"modified":"2016-06-26T18:51:13","modified_gmt":"2016-06-26T18:51:13","slug":"nzz-der-euro-gefahrdet-die-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/06\/26\/nzz-der-euro-gefahrdet-die-eu\/","title":{"rendered":"NZZ: \u201eDer Euro gef\u00e4hrdet die EU\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach der britischen Austrittsabstimmung \u00e4u\u00dfert sogar die Finanzoligarchie ihre Zweifel an Euro und EU<\/strong><\/p>\n<p><em>von Wilhelm Langthaler<\/em><\/p>\n<p>Der Schock sitzt tief, sehr tief. So tief, dass sogar ganz oben die Solidarit\u00e4t der Banker in den Hintergrund r\u00fcckt und ihre Denker meinen Zweifel auszusprechen zu m\u00fcssen. Wenn sogar aus dem Organ der Schweizer Bourgeoisie zitieren kann als w\u00e4re es das eigene Buch \u201eEuropa zerbricht am Euro\u201c, dann vermag man das Ausma\u00df der Krise erahnen. Es ist ein Versuch zu retten was zu retten ist.<\/p>\n<p>Folgend ein ungek\u00fcrztes Zitat aus dem Leitartikel der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung vom Wochenende nach dem Brexit-Referendum (25.\/26.6.2016). In eckiger Klammer meine Kommentare. Abs\u00e4tze wurden zur besseren Lesbarkeit von mir hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<blockquote><p>Die Mitverantwortung der EU [f\u00fcr die Krisenph\u00e4nomene] wurde jedoch durch die Einf\u00fchrung des Euro massgeblich verst\u00e4rkt. Die Einheitsw\u00e4hrung erweiterte dank niedrigen Zinsen und hohen Krediten in vielen L\u00e4ndern die Spielr\u00e4ume f\u00fcr Missbr\u00e4uche, Blasenbildungen und Verschuldung. Sie verst\u00e4rkte Fehlanreize f\u00fcr verantwortungsloses Handeln und erlaubte es nationalen Politikern und Bankern, die Verantwortung auf die europ\u00e4ische Ebene abzuschieben.<\/p>\n<p><strong>Der Euro gef\u00e4hrdet die EU<\/strong><\/p>\n<p>Der Euro, die vermeintliche Kr\u00f6nung der europ\u00e4ischen Integration, steht heute im Zentrum von Europas Krise. Es erscheint fraglich, ob die Fehlkonstruktion langfristig zu retten ist. Wenn doch, dann nur durch einen neuen Gesellschaftsvertrag, dem die B\u00fcrger der beteiligten Staaten in transparenter und freiwilliger Weise zustimmen. [Eine nicht ernst zu nehmende ideologische Floskel, die der Autor wohl kaum selber glaubt.]<\/p>\n<p>Dieser Vertrag m\u00fcsste entweder die fiskalische Selbstverantwortung der Euro-Staaten glaubw\u00fcrdig etablieren oder [vulgo: die politische Last der Austerit\u00e4t m\u00fcssen die Eliten voll selbst tragen und d\u00fcrfen sie nicht auf die EU-Institutionen \u00fcberw\u00e4lzen \u2013 eine v\u00f6llig unrealistische Vorgabe], dem Rat f\u00fchrender \u00d6konomen folgend, die W\u00e4hrungsunion in eine fiskalische Transferunion und Risikogemeinschaft verwandeln, was eine gemeinsame Fiskalpolitik und die dauerhafte Subventionierung des Konsums einzelner L\u00e4nder durch andere bedeuten k\u00f6nnte. Letzteres w\u00fcrde eine sehr weitgehende politische Integration voraussetzen. [Die Flucht nach vorne in versch\u00e4rfte supranationale Zentralisierung, von der der Autor andeutet wie unwahrscheinlich ihre Durchsetzung mit demokratischen Mitteln ist:]<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung der Union ist bis heute vor diesen ehrlichen Schritten zur\u00fcckgeschreckt, weil sie Niederlagen in Volksabstimmungen \u00fcber die notwendigen Vertrags\u00e4nderungen f\u00fcrchtet. Doch das dauernde Lavieren und Verschleiern h\u00f6hlt das Vertrauen und die Akzeptanz der Bev\u00f6lkerung aus. Es gef\u00e4hrdet letztlich die Existenz der EU.<\/p>\n<p>Eine offene Debatte \u00fcber den Zweck und die Verfassung der Europ\u00e4ischen Union ist \u00fcberf\u00e4llig. Sie ist die einzige Chance, die in allen Teilen Europas wachsende Schar der Euroskeptiker und EU-Hasser f\u00fcr die gemeinsame Idee zur\u00fcckzugewinnen. Dabei weisen die urspr\u00fcnglichen W\u00fcnsche der Briten vor dem Referendum einen m\u00f6glichen Weg: Das in den R\u00f6mer Vertr\u00e4gen von 1957 und der Pr\u00e4ambel des Maastricht-Vertrags von 1992 stehende Ziel einer \u00abimmer engeren Union\u00bb ist aufzugeben. [sic!] Sie ist kein Selbstzweck.<\/p>\n<p>Eine neue identit\u00e4tsstiftende Vision ist n\u00f6tig. Realistischer w\u00e4re etwa eine Union mit viel fachen Integrationskreisen, die m\u00f6glichst allen Mitgliedern jene Schritte und Geschwindigkeiten erm\u00f6glicht, die ihre B\u00fcrger w\u00fcnschen. Mit dem Nebeneinander von Schengen-Raum, an dem sogar die Nichtmitglieder Schweiz und Norwegen teilhaben, Dublin-Abkommen, Euro-Zone, \u00dcbergangsbestimmungen f\u00fcr Neumitglieder und diversen Opt-outs aus verschiedenen Vertragswerken geht die EU bereits jetzt einen pragmatischen Weg des Miteinanders von Mitgliedern mit oft ganz unterschiedlichen Interessen. Er k\u00f6nnte zur neuen Normalit\u00e4t werden. Eine solche Union w\u00e4re offener, beweglicher, freier, anschlussf\u00e4higer f\u00fcr neue Mitglieder und wohl selbst f\u00fcr die eigenbr\u00f6tlerischen Briten akzeptabler, h\u00e4tten sie sich entschieden, dabeizubleiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was an solch einem unklaren und unbestimmten R\u00fcckbau identit\u00e4tsstiftend sein soll, bleibt unverst\u00e4ndlich, reine und leere Hoffnung. In der Substanz erscheint es als eine R\u00fcckkehr zum Kerneuropa des reichen Zentrums wie es von Sch\u00e4uble\/Lamers Anfang der 1990er ventiliert wurde, das eine Freihandelszone politisch f\u00fchrt und kontrolliert.<\/p>\n<p>Wie man dorthin kommen kann ohne gro\u00dfen Schaden zu nehmen, sagt Peter R\u00e1sonyi nicht. Denn ein solcher R\u00fcckzug k\u00e4me einem Eingest\u00e4ndnis des historischen Scheiterns gleich \u2013 eine pr\u00e4zedenzlose Niederlage der globalistischen Eliten. Das w\u00fcrde die gesamte politische Architektur Europas unter US-Vorherrschaft \u00fcber den Haufen werden und vor allem an der Peripherie antikapitalistische Versuche erm\u00f6glichen. Aber das w\u00e4re vor einem Schweizer Banken-Lohnschreiberling dann noch zu viel verlangt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der britischen Austrittsabstimmung \u00e4u\u00dfert sogar die Finanzoligarchie ihre Zweifel an Euro und EU von Wilhelm Langthaler Der Schock sitzt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/06\/26\/nzz-der-euro-gefahrdet-die-eu\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNZZ: \u201eDer Euro gef\u00e4hrdet die EU\u201c\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":816,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-812","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-home"],"author_meta":{"display_name":"Wilhelm Langthaler","author_link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/author\/wilhelm\/"},"featured_img":"https:\/\/www.euroexit.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/NZZ25-26062016-227x300.png","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/category\/home\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht 10\u00a0Jahren vor","modified":"Aktualisiert 10\u00a0Jahren vor"},"absolute_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht am 26. 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