{"id":975,"date":"2016-11-15T16:58:34","date_gmt":"2016-11-15T16:58:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euroexit.org\/?p=975"},"modified":"2016-11-15T16:58:34","modified_gmt":"2016-11-15T16:58:34","slug":"trump-wahl-eliten-erschuttert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/11\/15\/trump-wahl-eliten-erschuttert\/","title":{"rendered":"Trump-Wahl: Eliten ersch\u00fcttert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gro\u00dfe Erz\u00e4hlung der neoliberalen Globalisierung verf\u00e4ngt immer weniger<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Wilhelm Langthaler<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kandidatin der die Welt beherrschenden Elite wurde geschlagen \u2013 gegen die geballte Macht ihres Herrschaftsapparats. Diese gewaltige Ersch\u00fctterung kann gar nicht anders, als weitere Schockwellen zu produzieren. Selbst in seinem Mutterland glauben immer weniger dem Narrativ des liberalen Kapitalismus. Dass sie dabei einem chauvinistischen Milliard\u00e4r ihre Stimme gaben, ist zun\u00e4chst zweitrangig. Denn die Infragestellung der Macht der kapitalistischen Oligarchie in den Zentren hat nach vier Jahrzehnten der Friedhofsruhe gerade erst wieder begonnen. Der Ausgang dieses Kampfes ist keine ausgemachte Sache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Niederlage der Herrschenden<\/strong><\/p>\n<p>Das Entsetzen der Oligarchie und seiner Regimemedien k\u00f6nnte nicht gr\u00f6\u00dfer sein und sagt alles. Wichtige Teile des Volkes in den USA und in den reichen L\u00e4ndern des Westens im Allgemeinen haben das Vertrauen ins System verloren. Nicht nur in die Regierungen, sondern in das ganze Regime des Freihandels. Sie wollen weder Kriege f\u00fcr die US-Weltherrschaft f\u00fchren und dessen Kosten begleichen, noch wollen sie die am unmittelbarsten sichtbare Folge der Globalisierung, die Massenimmigration, gegenw\u00e4rtigen. Sie rufen nach Schutz, nach Protektionismus \u2013 und da ist gerade von einem sozialen Standpunkt aus ein richtiger Kern enthalten.<\/p>\n<p>\u201eMake America great again\u201c klingt nach dem altbekannten imperialen Chauvinismus und will diesen auch ansprechen. Doch gleichzeitig verdeckt er eine wichtige Nuance. Trump hat von einem Ausgleich mit Russland gesprochen und deutet den in vielen Teilen der Bev\u00f6lkerung gew\u00fcnschten R\u00fcckzug aus der Funktion des Weltpolizisten an. (Siehe die sensationelle Infragestellung der Nato.) Jedenfalls wird auch der diffuse Wunsch nach R\u00fcckkehr zum Nachkriegsamerika mit seinem Wohlstandsversprechen an einen \u00fcberbreiten Mittelstand bedient. Trump gibt auch erste Schritt an \u2013 das Ende des Freihandelsregime und Infrastrukturinvestitionen. Absolut notwendige, aber keineswegs hinreichende Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Destabilisierung durch eine Opposition mit reaktion\u00e4ren Momenten<\/strong><\/p>\n<p>Dass die von Trump mobilisierte Opposition, die nicht nur aber tendenziell in der unteren H\u00e4lfte der Gesellschaft angesiedelt ist, starke reaktion\u00e4re Charakterz\u00fcge tr\u00e4gt, ist offensichtlich.<\/p>\n<p>Da ist der Milliard\u00e4r und Steuertrickser, der sogar noch dazu steht und weitere Steuersenkungen fordert. Da ist die typische Feindschaft zu Gewerkschaft und Arbeiterbewegung. Da ist die Kampagne gegen den Sozialstaat, symbolisiert durch das mickrige Obamacare-Programm usw.<\/p>\n<p>Nicht zu sprechen vom ungez\u00fcgelten wei\u00dfen Chauvinismus, gegen Muslime, Schwarze und Immigranten im Allgemeinen, die in aller Regel zu den untersten Schichten z\u00e4hlen. Und nat\u00fcrlich die machistisch zur Schau gestellte Frauenfeindlichkeit.<\/p>\n<p>Die Trump-Wahl ist keine explizit soziale Revolte, sondern sie ist organisch verquickt mit einem politisch-kulturellen Zitat der White Supremacy als Gegenposition zum Obamismus der Eliten. Diese proklamierten die Emanzipation der Unterdr\u00fcckten, um gleichzeitig die Macht der Oligarchie noch weiter zu verfestigen. Anders gesagt: Der wei\u00dfe Mittelstand greift in seinem sozialen Abstieg nun selbst zum Heroin (zuvor eine weitgehend schwarze Sucht-Flucht) und spuckt dabei auf die soziokulturellen Minderheiten. Desto mehr sie auf deren Status herabgedr\u00fcckt werden, desto mehr wollen sie sich von ihnen absetzen. Geht die soziale \u00dcberlegenheit verloren, wollen sie sich zumindest die vermeintliche kulturelle \u00dcberlegenheit sichern. Dieser wei\u00dfe Mittelstand will zur\u00fcck zur Welt der 1950 und 1960er, doch die Eliten spielen da aber nicht mit. Damals war die Wirtschafts- und Sozialpolitik keynesianisch (vulgo links), die Kultur wei\u00df, reaktion\u00e4r und konservativ (vulgo rechts). Heute ist es umgekehrt. Die Elitenkultur geb\u00e4rdet sich linksliberal, w\u00e4hrend die soziale Verteilung ultraelit\u00e4r ist \u2013 so wie im sozialdarwinistischen 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Was ist so viel schlimmer daran, wenn Trump das ins Positive wendet, was die Oligarchie als soziale Realit\u00e4t produziert: WASP-Chauvinismus, Ungleichheit der Geschlechter und der sozialen Schichten, sowie globalen Krieg und Imperialismus?<\/p>\n<p>Beim Lackmus-Test sind sie sowieso wieder vereint: beide haben sich fest auf die Seite Israels gestellt, dem wichtigsten Vorposten des US-Imperialismus.<\/p>\n<p>Nein, wir machen bei der Austreibung der Fratze nicht mit, sondern zielen auf die Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Realit\u00e4t selbst: In diesem Sinn ist die Destabilisierung der Oligarchie, so partiell sie auch sein mag, grunds\u00e4tzlich positiv.<\/p>\n<p>Man darf sich nicht von den Faschismus-Schreiern einlullen lassen, die letztlich das Spiel des Regimes spielen. Denn es besteht die Gefahr des Faschismus nicht. Die herrschenden Eliten, auch wenn sie eine Schlacht verloren haben und schw\u00e4cheln m\u00f6gen, sind noch immer an der Macht. Und sie bed\u00fcrfen keiner reaktion\u00e4ren Massenmobilisierung, denn die ist nur die ultima ratio der Herrschenden. Noch haben sie viele andere Optionen. Trump &amp; Co sind unsere Gegner, doch der Hauptfeind bleibt das liberale Zentrum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Tsunami der Rebellion reiten und lenken<\/strong><\/p>\n<p>Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wohin Trump geht. Nimmt er im Sinne der Eliten Vernunft an oder kann ihn der allm\u00e4chtige Staatsapparat zumindest z\u00fcgeln? Nachdem Trump sozial Teil der Elite ist und mit den Instrumenten des Herrschaftsapparates ins Amt gekommen ist, spricht vieles f\u00fcr eine solche Z\u00e4hmung.<\/p>\n<p>Doch auf der anderen Seite gibt es einen wachsenden Druck der Unzufriedenen. Und die Wahlmonarchie gibt dem Pr\u00e4sidenten eine au\u00dferordentliche Machtf\u00fclle, die Obama als letztlich treuer Diener der Oligarchie f\u00fcr seine Reformprojekte nicht einsetzen wollte. Es sind seitens Trump durchaus auch \u00dcberraschungen m\u00f6glich, zumal reaktion\u00e4re Antielitentendenzen sehr breite Verankerungen in Teilen der USA haben, auf die er f\u00fcr Kampagnen sich st\u00fctzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Entscheidend ist, dass die Bev\u00f6lkerung politische Erfahrungen mit rechtspopulistischen Kr\u00e4ften machen kann. Dabei ist die zentrale Aufgabe in allen westlichen L\u00e4ndern die implizit vorhandenen sozialen und auch demokratischen Interessen der unteren Schichten gegen die reaktion\u00e4ren populistischen F\u00fchrungen sto\u00dfen zu lassen. Die Massen m\u00fcssen in der Praxis sehen, erfahren, begreifen, was Trump &amp; Co machen.<\/p>\n<p>Nicht, dass keine Ver\u00e4nderungen im System durch Rechtspopulisten m\u00f6glich w\u00e4ren. Im Gegenteil, das ultraliberalistische Regime ist auf die Dauer nicht zu halten. Partielle Verbesserungen f\u00fcr ihre Klientel w\u00e4ren durchaus m\u00f6glich, insbesondere in den Zentrumsl\u00e4ndern. Aber sie schaffen keine f\u00fcr die Mehrheit der Subalternen akzeptable Verbesserungen, sondern heizen die Konflikte unter diesen nur weiter an.<\/p>\n<p>Zudem w\u00fcrde ein Ende der harten neoliberalen Diktatur, selbst durch Rechtspopulisten, neue soziopolitische Spielr\u00e4ume er\u00f6ffnen. Dieser Schritt scheint als notwendiger Durchgang bei der Abl\u00f6sung sowohl von den Eliten und in der Folge auch von den Rechtspopulisten selbst. In diesem Spalt m\u00fcssen und k\u00f6nnen sozialrevolution\u00e4re Kraft gegen den Kapitalismus entwickelt werden. Dass selbst in den USA daf\u00fcr Platz ist, hat die Kampagne von Bernie Sanders eindrucksvoll unter Beweis gestellt.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns die Form des Hegemonieverlusts der Eliten nicht aussuchen und sie verl\u00e4uft auch nicht \u00fcberall gleich. Es ist aus historischen, sozio\u00f6konomischen und kulturellen Gr\u00fcnden auf der Hand liegend, dass er in den USA andere Formen annimmt als in Gro\u00dfbritannien (Brexit), Griechenland (Referendums-Nein und Syriza-Ja) oder Italien (Grillo). Aber es ist eine Abl\u00f6sung: und das ist ein grunds\u00e4tzlich notwendiger und unterst\u00fctzenswerter Prozess.<\/p>\n<p>Unsere Aufgabe ist es, das Aufbegehren wirklich gegen die Eliten zu lenken, es dabei zu formen, zu ver\u00e4ndern und die reaktion\u00e4ren pro-kapitalistischen von den sozialrevolution\u00e4r-demokratischen Elementen zu trennen. Abseits zu stehen oder gar die Seite der Eliten zu beziehen, verfestigt die Funktion der gewendeten Linken als Ideologen und Apologenten des Systems, was die Massen so gegen sie aufbringt.<\/p>\n<p>Den oppositionellen Tsunami zu reiten, darf nicht verwechselt werden mit einer Unterst\u00fctzung f\u00fcr Trump &amp; Co. Im Gegenteil: Es gilt das aufkeimende und eruptierende oppositionelle Potential der unteren Schichten, das in deren Basis vorhanden ist und dort gebunden wird, anzuzielen, abzuziehen und damit zu befreien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gro\u00dfe Erz\u00e4hlung der neoliberalen Globalisierung verf\u00e4ngt immer weniger Von Wilhelm Langthaler &nbsp; Die Kandidatin der die Welt beherrschenden Elite &hellip; <a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/2016\/11\/15\/trump-wahl-eliten-erschuttert\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTrump-Wahl: Eliten ersch\u00fcttert\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":""},"categories":[1],"tags":[],"author_meta":{"display_name":"Wilhelm Langthaler","author_link":"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/author\/wilhelm\/"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.euroexit.org\/index.php\/category\/home\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Home<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 9 Jahren ago","modified":"Updated 9 Jahren ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on 15. 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